Pöbel MC – Personality Trainer // Reviews

(Das Label Mit Dem Hund)

Deutschrap ist »pubertär, harmlos, unappetitlich«. Pöbel MC weiß das – er hat die Deutungshoheit. Dieses übersteigerte Selbstbewusstsein wirkt erst mal furchtbar unsympathisch. Wäre da nicht dieser Wortwitz, der sich durchs Album zieht und zeigt, dass es funktioniert, die deutsche Sprache ohne hohe Anglizismendichte in seiner gesamten Vielfalt mit Coolness aufzuladen. Und würde Pöbel MC nicht tatsächlich beweisen, dass er sich bis zur Heiserkeit verausgabt und klüger rappt, als viele seiner Kollegen. Während es im Hintergrund gehörig rumpelt, weil Tis L keinen Hehl aus seinem Faible für Neunziger-Roughness macht, fallen Sätze wie: »Denn die Quelle eures Unmuts ist die eigene Blasiertheit, im tradierten Bild verdummender Privilegiertheit.« Nichts klingt an diesem Album vergilbt. Es passt besser in 2016 als die zehnte Future-Kopie. Das liegt auch an der Präzision, mit der Pöbel MC alles, was in der Szene schiefläuft, kaltblütig auf den Punkt bringt und genauestens skizziert, warum Deutschland gesellschaftlich den Bach runter­geht. Musik gegen rechts war nie pointierter, selten realitätsnäher. Wie Soziologie-Studenten-Rap aus der tiefsten Gosse klingt das, denn im Pöbel-Kosmos geht’s nicht um Political Correctness. Es wird auf die Fresse gegeben, bis der Kiefer bricht. »Klatsch Studentenrapper weg, auch aus Selbstkritik, mit mir selbst im Krieg«, sagt er noch und relativiert so das Elitäre, das man ihm hätte ankreiden können. Pöbel MC entpuppt sich als Deutschraps unbestechliche Judikative, die es braucht.