PNL – Dans La Légende // Review

pnl

(QLF Records)

1954 schrieb die 18-jährige Françoise Sagan den Roman »Bonjour Tristesse« – ein ungefilterter Ausdruck ihrer Traurigkeit darüber, erwachsen zu werden; ein faszinie­rendes und bedeutsames, aber auch polarisierendes Dokument seiner Zeit, das schnell zum internationalen Bestseller avancierte. Das Duo PNL liefert mit seinem musikalischen Schaffen, mehr als sechzig Jahre später, nun das akustische, zeitgemäße Straßenpendant dazu. Das deutete bereits ihr letztjähriges Debüt »Que La Famille« an, obwohl es noch deutlich aus den DNA-Strängen US-amerikanischer Vorbilder gewoben war. Doch nur wenige Monate später war alles anders, als ihr bahnbrechendes Album »Le Monde Chico« erschien: Die 17 Songs, allesamt ­artifizielle Balladen von und über die Straße, waren nichts als in Asphalt gegossene Melancholie. Nicht in einer depri­mierenden Form, sondern im Sinne eines ästhetischen Stilmittels; als teerschwarzer Marker, mit dem PNL die Trostlosigkeit ihres Banlieues nachzeichneten und wunderschöne Soundbilder entstehen ließen. Parallel dazu suhlten sich die zwei in Rätselhaftigkeit: Keine Promo, keine Interviews, keine Infos. Trotzdem gab’s Gold in Frankreich, bis zu 50 Millionen Klicks auf ihre Videos und einen Hype internationalen Ausmaßes: Bonjour succés! Die Erwartungen an »Dans La Légende« waren entsprechend hoch, doch PNL zeigen sich unbe­eindruckt. Einmal mehr fluten sie die staubigen Straßen mit einer alles verzehrenden schwarzen Masse aus flirrenden Drum-Patterns, verschlungenen Hall-Fäden und Synth-Gewölle, die einen mit einem Lächeln auf den Lippen in knisterndem Schwermut versinken lässt. Die beiden Brüder übergießen ihre Hörer mit einem tief(düster)en Meer voller Melodien, aus dessen Strudel es kein Entrinnen gibt – als wolle man diesem Meisterwerk des Rap français noir auch nur eine Sekunde entkommen. Man nehme nur den auf einem reduzierten Piano-Loop basierenden Opener »Da«: Einerseits hängen die wuchtigen Beats wie geschmolzenes Blei im Raum, andererseits bewegen sich die Jungs so leicht und wortgewandt durch selbigen, als hätte die Schwerkraft in ihrem Soundkosmos keine Gültigkeit. Auch das behäbige, aber doch leichtgliedrige »Naha« und der Titeltrack legen sich wie schützende Kokons aus Zuckerwatte um die Welt, in die PNL uns mit »Dans La Légende« hineinzieht. Sagen wir ihr hallo: Bonjour Tristesse!