Massive Disco (Massive Töne Soundsystem), Afrob uvm. im »Palais der Kolchose« // Live

»Die Kolchose ist ein Zusammenschluss von Rappern, Graffiti-Malern, Breakern und so etwas wie eine Unity.«, beschrieb ein leicht nervöser Wasilios Ntuanoglu, den zumindest 90s-Kids als Wasi in Erinnerung behalten haben, das Stuttgarter Künstlerkollektiv Kolchose. Das war 1995 in einer Folge der Sendung »Freestyle« auf Viva.

Ein Jahr später veröffentlichte er zusammen mit seiner Crew Massive Töne das Album »Kopfnicker«, welches (zwar nicht in realen Verkaufszahlen, aber in den Nachwehen der »Klasse von ’95«) als Wegbereiter für die späteren Charterfolge seiner Kolchose-Kollegen Freundeskreis, Afrob oder auch Skills en Masse deutsche HipHop-Geschichte schrieb – und wichtige Vorarbeit für den bald einsetzenden Deutschrap-Boom Ende der 1990er leistete. Nicht umsonst trägt Stuttgart auch den Rap-Beinnamen »Mutterstadt«.

Heute, über 20 Jahre später, stehen Skizzen und Lyrics dieser Schaffensphase im Stadtmuseum Stuttgart aus. Wasis altes Textbuch wurde im Rahmen der Daueraustellung »Stadtgespräche« Mitte 2017 zur Verfügung gestellt und aufbereitet. Ein Textbuch eines deutschen Rappers im Museum? Goals, nennt man sowas.

»Fühlt den Pulsschlag/ Wir ham Geburtstag«

Doch um den Impact des Rap-Treibens in der Schwabenmetropole auf die HipHop-Szene ausreichend zu dokumentieren, kopperieren nun 0711 Entertainment mit abermals dem Stadtmuseum Stuttgart und eröffnen anlässlich des 25. Geburtstags der Kolchose das »Palais der Kolchose«.

In einer dreiwöchige Ausstellung zum Thema HipHop und Stuttgart wird anhand von Führungen, Podiumsgesprächen, Vorträgen, aber auch einer Hall Of Fame und einem Breakdance-Battle ein Vierteljahrhundert Kolchmob zelebriert. Von der ersten »Kolchose Jam« 1992 bis zur großen Reunion auf dem HipHop Open 2012 schaut die »Ausstellung 25K« auf 25 Jahre HipHop aus Benztown zurück.

Doch ein Geburtstag ist nur dann ein Geburtstag, wenn er auch gefeiert wird und daher finden sich an gleich zwei Tagen viele Protagonisten der alten und neuen Mutterstadt-Elite im Wilhelmspalais ein.

So laden am 25.November 2017 die Massive Disco aus DJ Schowi, Ju, DJ 5ter Ton, aber auch Franky Kubrick, Marz, Bartek & Kaas zur großen Eröffnungsparty ein und demonstrieren jenen generationsübergreifenden Unity-Gedanken, den Wasi damals auf Viva bereits andeutete.

Eine weitere Kolchose-Party wird in derselben Location am 2.Dezember 2017 vom FK Soundsystem bestehend aus Max Herre, DJ Friction und DJ Emilio »über Stuttgarts Hügel in die Welt« gespreadet werden. Eine einmalige Gelegenheit, die Legenden, Pioniere und Protagonisten von heute und gestern noch einmal live zu erleben.

Weitere Infos zu Führungen, Workshops und Podiumsdiskussionen (mit u.a. Afrob) findet ihr im Event auf Facebook und auf der Website des Stadtmuseums Stuttgart.

Im eingangs erwähnten Fernsehinterview wird Wasi auch die Frage gestellt, warum die Kolchose genau diesen Namen gewählt hat. Schulter zuckend und leicht im Witz antwortet er: »Uns ist nichts anderes eingefallen.« Nach einer knapp 25-jährigen Laufbahn aus mehreren Chart-Hits, zwei Top-Ten-Alben und einem Katalog mit zahlreichen Szene-Klassikern, kann man beipflichten: Guter Einfall.

Foto: Nesola (Archiv)