Nimo – Habeebeee // Review

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(facebook.com/bornheim385i)

Es gibt einen weit verbreiteten Irrglauben, Debütveröffentlichungen müssten möglichst viele Facetten abdecken, um die Vielseitigkeit des Interpreten umfassend zu dokumentieren. So erscheinen auch zwanzig Jahre nach Nas’ Debüt-Blueprint »Illmatic« noch Erstlingswerke mit deutlich mehr Songs, Themen und Stilen als nötig. Auch in der Dunya des neuen 385idéal-Signings Nimo ist viel los. Der ehemalige Stuttgarter und heutige Frankfurt-Brudi haut einem mit »Habeebeee« sagenumwobene 23 Tracks um die Ohren und feuert inhaltlich wie musikalisch aus allen Rohren: Tracks für den Club, die Straßen, die Hater, die Damenwelt, die von der Gesellschaft Vernachlässigten. Neun Produzenten (u.a. X-plosive, M3 und Sott) steuern das jeweils passende Soundbild bei, miese Trap-Monster finden sich neben samplebasierten Boombap-Beats, fordernden Synthie-Brettern und entspanntem G-Funk wieder. Nimo zeigt sich als exzellenter Rapper und Styler vor dem Herrn, der nie aus der Puste kommt und seine Stärken auf den entsprechenden Songs gekonnt in Szene setzt. Letzten Endes passiert auf diesem Album aber einfach so viel, dass man kaum hinterherkommt. Von Track zu Track wird es schwerer, sich ein klares Bild von Nimo zu machen. Die zahlreichen guten Ideen gehen teilweise ein­fach in der Fülle unter. Somit ist »Habeebeee« noch nicht der ganz große Wurf, aber die beeindruckende Werkschau eines Rappers, von dem man hoffentlich noch einiges hören wird – gerne auch mit halb so vielen Features und Tracks.

 

Text: Patrick Lublow

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