Moop Mama – M.O.O.P.Topia // Review

Moop Mama

(Mutterkomplex / Urban Media / Soulfood)

Zugegeben: Eine zehnköpfige Blaskapelle aus Bayern weckt erst mal Assoziationen wie Kirchweih, Weißwurst und altbackenes Publikum mit drei Promille. Doch Pustekuchen: Die Münchner Brassband Moop Mama um Rapper Keno macht Pusterap – und beweist auf ihrem dritten Album, dass man trotz hoher Bullendichte und peinlichen Ministerpräsiden­ten auch im Dirty South noch fröhlich herummusizieren kann. »M.O.O.P.Topia« ist Appell an die Vorstellungs­kraft jedes Einzelnen, an die Idee, das alltäg­liche Leben, das Altern und ja, auch das Schei­tern zu schätzen und zu zelebrieren, ohne sich von der schnellen Welt da draußen und den Hirngespinsten da drinnen verrückt machen zu lassen. Mit unaufgeregten Geschichten und einfachen Zeilen erinnert sich Keno dabei an Zeiten, in denen es cool war, über Liebe und Komplizenschaft zu rappen, anstatt über die Massephase. Dabei wird Keno ein ums andere Mal zum konservativen Kulturpessimisten, etwa wenn er davon überzeugt ist, das Hipstertum neige sich dem Ende zu: »Die Zeit der Dreiecke ist vorbei/Endlich schließt sich der Kreis« heißt es in »…«. Unterstütz­ung bekommt er diesmal von einer Handvoll Hochkarätern. Höhepunkt ist dabei das Blumentopf-Feature »Typ*Ische Verhältnisse«, das sich pseudo-emanzipierten Pärchen widmet und in dem Schu den gewitzten Deutsch(rap)lehrer mimt: »Wenn du willst, dass deiner Freundin Rap gefällt/Spiel ihr das hier vor, es ist harmlos, du merkst es ja selbst/Ganz ohne Sexismus und frauenfeindliche Texte/Und wenn’s der Bitch trotzdem nicht taugt, dann hau ihr eins in die Fresse.« – dagegen fällt das Jan-Delay-­Feature trotz Allzweckmittel Kinderchor glatt ab. Moop Mama sind bekannt für stilistische Ausflüge, und so finden auch Reggae, Soul und Grime ihren Weg auf »M.O.O.P.Topia« – aller­dings in seichtem Gewand, das sich um Kenos feinfühligen Um-die-Ecke-Rap hüllt. Am Ende werden Moop Mama mit dieser Formel wohl kaum alle zufriedenstellen. Und doch kann man den mooptopischen Ansatz gerne als Appell an die oft so schlecht gelaunte Rapszene nehmen: Alle sind willkommen! Wie bei Muttern eben.

Text: Naima Limdighri