Monty Space – Religion // JUICE Premiere

Friedrich Nietzsche soll einmal gesagt haben: »Ein religiöser Mensch denkt nur an sich« und es kann bestimmt kein Zufall sein, dass sich dieser Satz auch als Faustformel für den Zeitgeist aus Turn-Up-Trance und Selfie-Kultur übertragen lässt. Sind wir alle unser eigener Gott? Der Dresdner Monty Space setzt sich auf »Religion« mit genau diesem Thema auseinander – der Glaube an die Liebe, der Glaube an Rap, der Glaube an die Clikk. Mit Bildern, Metaphern und Begriffen aus dem religiösen Kontext zeichnet der champangevondertanke-Kumpel ein kryptisches Gemälde durch sein Autotune, das sich auf dem dunkelbuntem Zeitraffer-Trap zu einem eindrucksvollen Vorboten für das kommende Release »0800/Ruf nie wieder an« (VÖ: 08. November) mausert. Der lockere (flockere) Autotune-Singsang, schon auf seiner »Radiergummikopf EP« im März ähnlich imposant inszeniert, kombiniert sich in diesem nachdenklichen Kontext zu einer melancholischen Bestandsaufnahme um die Frage, welchen Stellenwert Menschen und Gefühle in unserer Zeit haben – klingt verkopft, ist aber weitaus unprätentiöser als es sich liest. Denn anders als seine Konkurrenten versteckt sich Monty nicht hinter affektiertem Künstlertum, sondern verleiht einem tief-philosophischen Gespür für Wort und Bild ähnlich einprägsam Ausdruck wie ein Sierra Kidd, der performativ durchaus Einfluss auf Montys Delivery hatte. »Seh die Schlangen im Club und sie reden, machen nie den Mund zu/Verwandel deinen Billigwein wieder in Wasser, glaub mir, wird dir gut tun« – wie sagt man so in diesem Internet? Gänsehaut.