Megaloh: »Ich muss weiterhin 110 Prozent geben« // Titelstory

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Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass Megaloh zum ersten Mal auf mehreren Seiten in der JUICE stattfand. Damals ging es um große Pläne: Mega sah Deutschrap in Kinderschuhen, und wie so viele vor ihm, war er gekommen, das Game auf links zu krempeln. Seine Agenda setzte er auf eine Dekade an. Und hätte man zur Halbzeit eine Bilanz gezogen, wäre vielleicht ein müdes Lächeln drin gewesen. Megaloh sah sich zwischenzeitlich von der Industrie in die Knie gezwungen. Dass ihm mit »Endlich Unendlich« noch mal ein Überraschungserfolg gelingen sollte, hätte er damals selbst nicht mehr geglaubt. Heute trägt der Berliner zu Recht den Titel des Lieblingsrappers deines Lieblingsrappers; einen zweiten seiner Art, der Inhalt und Technik auf solch hohem Level miteinander verschmilzt, sucht man hierzulande vergebens. Doch Megaloh gibt zu verstehen, dass er noch längst nicht am Ziel ist. Wenn »Endlich Unendlich« eines war, dann ein Startschuss. Jetzt muss es fließen. Deutschrap baut auf den »Regenmacher«.

Ein Montagabend in Berlin-Kreuzberg. Inmitten märkischer ­Backsteingotik, wo einst die Elektrizität auf das Viertel verteilt wurde, tummelt sich heute die Kreativwirtschaft der Hauptstadt. Seit im vergangenen Jahr ein Energiegetränkehersteller Geld für ein Studio in die Hand nahm, sind auch Musikbranchennasen mit von der Partie. Der freundlich-reservierte Handschlag hat hier längst die schweißtreibende Handarbeit ersetzt. Doch an diesem Abend bleibt das Distanzierte ein ums andere mal aus, freundschaftliche Umarmungen füllen stattdessen die renovierten Wände im rustikalen Chic. Denn Megaloh hat Freunde, beteiligte Musiker und lange Weggefährten geladen, um ihnen persönlich den Nachfolger von »Endlich Unendlich« vorzuspielen – it’s a family affair.

Dass Megaloh an diesem frösteligen Januarabend erst einmal auf sich warten lässt, kann man ihm kaum verübeln. Er reist vom anderen Ende der Stadt an und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits zwei von drei Jobs hinter sich: morgens die Pakete im Lager, am Nachmittag die Familie zu Hause. Nun bleibt noch die Musik. Mega ist Malocher. Umso erstaunlicher, dass mit ihm nun ein Ruhepol den Raum betritt. Der Gastgeber nimmt sich Zeit für seine Besucher, leiht ihnen sein Ohr, redet über Gott und die Welt. Vielleicht ist Megaloh einer der wenigen Typen, die so sind, wie man sie in ihrer Musik kennen und schätzen lernt: einer wie du und ich, namentlich Uchenna van Capelleveen.

Wobei: So ganz stimmt das nicht. Zumindest nicht aus Megas Perspektive. Als sich der Moabiter daranmacht, den Gästen sein jüngstes Schaffen zu präsentieren, hält er noch einmal inne und kommt auf den Albumtitel zu sprechen: In gewissen traditionsbewussten afrikanischen Stämmen solle der Regenmacher in Zeiten der Dürre fürs Überleben sorgen. So weit, so klar. Doch was den Regenmacher eigentlich ausmacht, sind die Erwartungen anderer, die er tragen muss. Normalsterbliche schenken dem Regen­macher ihr Vertrauen. Mehr noch, sie stecken gar all ihre Hoffnung in diese eine Person, die mehr sein soll als sie selbst – ein Mensch, der das Unmögliche möglich macht.

Als Megaloh 2013 mit »Endlich Unendlich« noch einmal Anlauf nimmt, seine bis dato eher überschaubar erfolgreiche Karriere ­aufzupolieren, ist das Hamsterrad Deutschrap am Rollen. Die Protagonisten, die sich die Ränge in den Bestenlisten ablaufen, sind so verschieden wie ihre Musik: Ssio revolutioniert hiesigen Straßen­rap mit Humor, Casper greift zu noch mehr Gitarren, Kolle und Farid konsolidieren asoziale Punchlines mit »JBG 2« an der Chart­spitze und Prinz Pi sucht mit seinem »Kompass Ohne Norden« den Weg ins Radio. Und dann war da noch Megaloh, der mit »Endlich Unendlich« nicht so recht in eine dieser Ecken passen wollte. Mega war irgendwie nichts von alldem. Und doch alles. Eine ganze Riege früherer Deutschrap-Helden fand in ihm schließlich all das, was ihnen an anderer Stelle fehlte: Stimme, Flow, Delivery, Inhalt, die steinige Gipfelfahrt von Moabit in die Top Ten – kurzum: Da stand plötzlich ein neues Rapkomplettpaket im Raum. Dass Megaloh als einziger Rapper neben Max Herre auf dessen Label Nesola gesignt wurde, sprach für sich. Oder, wie Mega selbst einmal festhielt: »von Legenden zur Legende gekürt«.

 
Seit »Endlich Unendlich« sind mittlerweile drei Jahre ins Land gezogen. Und Mega wünscht sich, es wären weniger gewesen – allein um der Erwartungen willen. Dabei war er in dieser Zeit alles andere als untätig. Wenn Uchenna nicht gerade auf einer der vielen Bühnen dieses Landes stand, seinem Job im Paketlager nachging oder sich dem Familienleben widmete, suchte er die nächtliche Ruhe zum Schreiben in seinem vier Quadratmeter kleinen Badezimmer, oder saß mit seinem DJ und Produzenten Ghanaian Stallion im Moabiter Studio von Mastering-Ikone Sascha »Busy« Bühren an neuen Aufnahmen. Ein Prozess, der sich mehr als zwei Jahre zog. Zwei Jahre allerdings, die sich gelohnt haben. Denn »Regenmacher« ist ein Album, dem man in der Rapwelt so nur allzu selten über den Weg läuft.

Man könnte »Regenmacher« als Konzeptalbum abtun. Ja, dieses Album hat in der Tat einen roten Faden. Immer wieder geht es um Identität, um die Höhen und Tiefen, die einer durchläuft, der seinen Platz in dieser Gesellschaft sucht. Mit verblüffender Offenheit erzählt Megaloh von seiner Reise. Details aus dem Alltag spart er dabei ebenso wenig aus wie persönliche Schwächen. Doch »Regenmacher« auf textliche Tiefe herunterzubrechen, würde dem Album schon deshalb nicht gerecht werden, weil hier immer auch die Musik im Vordergrund steht. Die souligen Elemente des Vorgängers baut man etwa noch weiter aus, ergänzt sie um eine Handvoll Afrobeat-Bläser und lässt an entsprechen­der Stelle die Achtnullacht rattern – call it Afro-Trap.

Und dann wäre da noch die technische Rapoffenbarung, die sich schon mit »Endlich Unendlich« ankündig­te. Megaloh hat Stimme und Sprache mit »Regenmacher« noch ein Stück weiter unter Kontrolle. Hier klingt in jedem Moment der Anspruch eines Rappers durch, der nicht den ewiggestrigen Idolen nacheifert. Wenn man Mega heute hört, hört man auch Future, man hört Kendrick Lamar, man hört die Lethargie eines Roc Marciano und die Hitze der kalten Chicagoer Ostseite. Auf diese Weise nimmt »Regenmacher« all seine Schwere mit überraschender technischer Leichtigkeit. Das alles klingt seiner selbst so sicher, dass man sich wundert, als Mega an diesem Abend sichtbar mit sich hadert, sein jüngstes Werk zu präsentieren. Vielleicht ist »Regenmacher« das Album, mit dem Megaloh selbst nicht mehr gerechnet hat. Er weiß schließlich am besten um all die Fehltritte, die es bis zu diesem Punkt gebraucht hat. Doch lassen wir ihn das Puzzle noch einmal selbst zusammenfügen.

Dein erstes größeres JUICE-Interview hast du 2006 gegeben. Damals sagtest du, man solle in zehn Jahren auf deine Karriere zurückblicken und sagen können, dass du hier etwas verändert hast. Ist dir das rückblickend gelungen?
Gib mir noch mal zehn Jahre. (lacht) Die Zeit vergeht schneller als man denkt. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich zehn Jahre später erst an diesem Punkt bin. Nicht, dass die Position, in der ich bin, nicht schön wäre – die bedeutet mir sehr viel. Aber ich habe mir das früher einfach anders vorgestellt. Ich dachte, es ginge schneller mit der ­Karriere los, ich könne gut von der Musik leben und würde nur noch meinen Namen in der Geschichte verewigen. Erst mit dem Album »Endlich Unendlich« hat sich aber wirklich die Perspektive aufgetan, in nicht allzu ferner Zukunft von der Musik leben zu können. Allerdings hatte ich vor zehn Jahren auch das Ziel, Leute zu erreichen – dem bin ich schon sehr nahegekommen.

Vor »Endlich Unendlich« gab es aber einen Punkt, an dem es ganz anders aussah, oder?
Auf jeden Fall. Der letzte nennenswerte Release, mit dem wir versucht haben Geld zu verdienen, war »Alles Negertiv« [erschienen 2007; Anm. d. Verf.], ein Underground-Ding mit Sprachtot und Frauenarzt, das hat sich ganz schlecht verkauft. Mittlerweile sprechen mich viele darauf an, aber von dem Impact haben wir damals in unseren Brieftaschen nichts gemerkt. Ich wurde damit vor die Entscheidung gestellt, wie ich weitermache. Mein Team und ich sind damals getrennte Wege gegangen, ich hatte ein neues Management und war über drei Jahre auf der Suche nach nem Deal. Ich hatte mich auf diese Hoffnung eingeschossen, aber da ist nichts bei rumgekommen. Und unter den Voraussetzungen wollte ich nicht weiter Musik machen. Also habe ich überlegt, noch ein For-free-Projekt zu machen, bei dem ich meine ganze Abgefucktheit zum Vorschein kommen lasse und einen musikalischen Abschluss finde: die »Monster«-EP. Ich wollte in den Spiegel schauen und sagen können, dass ich mir musikalisch treu geblieben bin und noch mal alles gegeben habe.

Das Kapitel »Monster«-EP nahm dann ein überraschendes Ende …
Ja, im Anschluss an die EP ist das passiert, was ich nicht mehr erwartet habe: Ich bekam einen Deal. Da kam einiges zusammen. 2005 habe ich Max Herre zum ersten Mal getroffen. Er kam damals in ein jamaikanisches Restaurant in Moabit, das Soon Come, in dem ich mich einige Sommer lang immer mit meinen Homies versammelt hatte. Und der Kollege, der den Laden betrieben hat, hat Max direkt meine Musik vorgespielt. Richtig kennengelernt habe ich ihn dann einige Jahre später, bei einem Elternabend an der Grundschule, auf die die Kinder meiner Freundin gegangen sind. Ich wollte dort vorbildlich beim Elternabend aushelfen – und kam natürlich zu spät. Der Einzige, der dann noch später den Raum betrat, war Max – eine absurde Begegnung. Wir haben uns dort ausgetauscht, und kurz darauf wurde ich eingeladen, den »Niemand«-Remix von Joy Denalane mit Max und Samy Deluxe aufzunehmen. Im Sommer 2011 bot mir Nesola [Label von Max Herre, Joy Denalane und Götz Gottschalk; Anm. d. Verf.] einen Vertrag an und ich habe dankend angenommen. Götz [Geschäftsführer und A&R bei Nesola; Anm. d. Verf.] war schon ein paar Jahre zuvor einer der Wenigen, die Interesse gezeigt haben, aber mit meinem früheren Management haute das noch nicht hin. Mit dem Nesola-Deal wollte ich es dann noch mal richtig wissen. Ich habe Underground-mäßig mit meiner eigenen Crew angefangen und hatte mein eigenes Label, mit allem was dazu gehört – inklusive Anmeldung beim Patentamt. (lacht) Aber einen Deal hatte ich immer noch nicht.

 
Kurz nach der »Monster«-EP kam der Track »Traum vom Fliegen«. Welche Rolle hat er in deiner Entwicklung gespielt?
»Traum vom Fliegen« und »So ist das Leben« sind zwei Songs, bei denen ich Musik zum ersten Mal gezielt als Ventil nutzte. Ich habe mir früher weniger von der Seele geschrieben, es ging mir eher um einen HipHop-Eskapismus – das Flüchten in eine Rolle. Wie viele andere habe ich mich als eine Art Rapsuperheld stilisiert, der größer war als ich selbst. Aber an einem gewissen Punkt hatte das für mich einen faden Beigeschmack. Ich finde, wenn man wirklich angeben will, muss man die ganzen Autos, Ketten, Uhren und Nummer-eins-Hits, von denen man erzählt, auch vorweisen können – ich hatte nichts davon. (lacht) Ich habe dann angefangen, Rap als Therapie zu sehen, über Sachen zu schreiben, die mich beschäftigen, die mich ankotzen. Für diese Songs habe ich viel Zuspruch bekommen. Ich zweifle viel, bin sehr selbstkritisch. Umso besser tut es dann, wenn du merkst, dass das Gefühl, das du ausdrücken willst, ankommt.

An der »Monster«-EP war zum ersten Mal auch Ghanaian Stallion beteiligt, der mittlerweile nicht nur dein DJ, sondern auch dein Produzent ist, oder?
Ja, mit der EP haben wir jedenfalls das erste Mal zusammen etwas releast. Alan [Ghanaian Stallion; Anm. d. Verf.] hatte kurz vorher überhaupt erst angefangen, Beats zu machen, davor war er DJ. Ich habe das mit dem Produzieren damals auch versucht, war aber viel schlechter und hab’s direkt sein lassen. (lacht) Während der »Monster«-Phase sind auch »So ist das Leben«, »Traum vom Fliegen« und noch ein paar ähnliche Tracks entstanden. Und bei denen hat sich schnell herauskristallisiert, dass ich gerade gesellschafts- und selbstkritische Songs mit Alan gut umsetzen kann. Wir kennen uns schon ewig, seit der Vorschule. Er ist irgendwann nach Ghana gegangen und war danach in Freiburg, da haben sich unsere Wege getrennt. Wir haben uns dann als junge erwachsene Männer wiedergetroffen und es herrschte direkt eine Vertrautheit. Es würde mir schwerfallen, persönliche Sachen auf einem Beat von irgendeinem Produzenten auszupacken, den ich gar nicht kenne. Und ich bin wirklich stolz auf die rasante Entwicklung, die mein Bruder in den letzten sechs Jahren gemacht hat. Der hat mittlerweile an die tausend Beats gemacht.

Dann war »Endlich Unendlich« also für euch beide eine Art Neuanfang? Viele haben dich wohl erst mit deinem Debüt auf Nesola kennengelernt.
Ja, in meinem Fall war es schon deshalb ein Neustart, weil der letzte Release so weit zurücklag. Nicht viele Künstler kriegen die Möglichkeit, ein zweites Mal neu zu beginnen. Da war es mir umso wichtiger, dass die Richtung, in die ich mich bewege, wirklich durchdacht ist. Ich wollte nichts mehr dem Zufall überlassen. Mittlerweile gibt es Menschen, um die ich mich kümmern muss, auch finanziell. In der Situation wird Musik entweder zum teuren Hobby, das man gegebenenfalls nicht weiter finanzieren kann, oder man findet eine Möglichkeit, dass dabei finanziell etwas rumkommt. Und ich hatte Glück, dass es mit »Endlich Unendlich« auf letzteres zulief. Ich arbeite immer noch im Lager, leider. Aber ich war auch wirklich viel unterwegs, habe sehr viel Anerkennung bekommen und mir eine Perspektive aufgebaut.

Wie hat sich dieses Feedback auf die Arbeit an »Regenmacher« ausgewirkt?
»Endlich Unendlich« war ein Projekt, an das ich zwar geglaubt habe, das aber noch mit sehr vielen Zweifeln einherging. Ich habe da sehr ehrlich meine Geschichte erzählt, auch wenn das nicht immer die heroische Blockbuster-Superman-Story war. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass das mein Ding ist. Und dass es mich von anderen unterscheidet. Darauf baue ich nun auf. Die Geschichte war mit »Endlich Unendlich« ja noch nicht am Ende.

Du leitest »Regenmacher« mit einer Zeile über deinen Job im Lager ein, dem du noch immer nachgehst. Das überrascht, wenn man »Endlich Unendlich« als Erfolg wahrgenommen hat. Wie lief denn das Album für dich?
»Endlich Unendlich« war definitiv ein Erfolg: Wir haben mehr verkauft, als von uns ­erwartet wurde, und sind fast drei Jahre lang getourt. In dieser kurzlebigen Zeit ­schaffen das überhaupt nur sehr wenige Leute. Ich glaube, »Endlich Unendlich« hat auch immer noch Bestand. Das Album entdecken einige jetzt noch für sich. Und ich habe viel positives Feedback von Leuten ­bekommen, die sonst keinen Deutschrap hören. Was das ­Finanzielle betrifft: Man braucht ­entsprechend mehr Geld, wenn man sich auch um andere Menschen kümmert. Und die Kohle, die mit der Musik reinkommt, kommt nicht ­regelmäßig. Man kann da nicht mit einem festen Lohn rechnen. Zumindest nicht, ­solange das Rapgeld noch nicht so viel ist, dass ich es mir einteilen und zurücklegen kann.

Inwiefern wirkt sich dieser Job auf deine Musik aus?
Man hört halt am Inhalt meiner Musik, dass ich noch am Strugglen bin. Ich hab’s noch nicht geschafft, ich kann mich noch nicht zurücklehnen und risikofrei agieren, weil ich kein Polster habe. Bei mir ist immer noch jeder Schritt entscheidend, deshalb muss ich weiterhin 110 Prozent geben.

In was für einer Phase ist »Regen­macher« entstanden?
Insgesamt haben wir zweieinhalb Jahre daran gesessen: Eineinhalb Jahre habe ich intensiv an Songs geschrieben, dann hatten wir um die fünfzig Skizzen und aus denen haben wir über ein Jahr lang Songs ­ausgesiebt und ausgearbeitet. Das war schon eine lange Zeit, die im Nachhinein betrachtet auch nötig war. Aber ich bin ein ungeduldiger Mensch, drei Jahre sind echt grenzwertig zwischen zwei Alben. ­Obwohl: Zwischen meinem Debüt »Im Game« und »Endlich Unendlich« waren es sogar acht Jahre, das sind schon fast »Detox«-­Verhältnisse. (lacht) Ich arbeite nun darauf hin, dass ich ohne große Hindernisse jedes Jahr Musik rausbringen kann.

Im Titeltrack erzählst du, dass das Album in deinem vier Quadratmeter großen ­Badezimmer entstanden sei. Wie darf man sich das vorstellen?
Früher habe ich viel im Studio geschrieben oder unterwegs, aber mittlerweile bin ich in einer anderen Lebenssituation. Als dieses Album entstand, haben wir zu viert in einer Zweizimmerwohnung gewohnt. Das Schlafzimmer war ein Durchgangszimmer, es gab tatsächlich nur das Bad als Rückzugsort, wo ich Musik machen konnte – abgesehen davon, dass der Konsum der grünen Wiese auch nicht optimal ist, wenn man Minderjährige zu Hause sitzen hat. (lacht) Im Badezimmer gab es eine kleine Ecke, in der ein Regal stand, da hat genau ein Laptop draufgepasst. Also stand ich im Bad, habe meine Tüten gequarzt und Texte geschrieben.

Mit »Endlich Unendlich« habt ihr musi­kalisch bereits eine Richtung einge­schlagen, die »Regenmacher« ­konsequent weiterspinnt. Inwiefern hat das Nesola-Produktionsteam KAHEDI dabei eine Rolle gespielt?
Auf dem letzten Album haben sie eigentlich nur einen Beat gemacht. Für »Regenmacher« hat Alan – bis auf ein Ding von Farhot – alles als Skizze geliefert. Und diese Entwürfe haben wir dann mit diversen Leuten ausproduziert, also Sounds ausgetauscht und Samples nachgespielt – mit echten Bläsern, Bass, Gitarre, Klavier, allem möglichen. Bei einigen Nummern hat KAHEDI diese Ausproduktion federführend übernommen. Da haben sie vor allem Samples nachgespielt und umgeformt – so umgeht man auch rechtliche Probleme.