Maxwell – Kohldampf // Review

(A!K!F! / Universal Music)

Ich merke: Mit meinem Kritiker-Latein geht’s ans Ende. Oder allgemein gesprochen: die 187 Strassenbande führt Kritikerexistenzen in die Sinnkrise. Nonchalant veröffentlichen die Hamburger Album nach Album und folgen dabei einer Erfolgsformel mit wenigen Variablen. Inhaltlich besteht die Addition aus Gangliebe + Wummen + Drogen + Trophäen/Frauen + Szeneverachtung, musikalisch wich bislang nur »Palmen aus Plastik« vom bewährten Synthetik-Geballer der 187-Hausproduzenten ab. »Kohldampf«, das Debüt von Maxwell, reichert das Altbekannte immerhin mit etwas Westcoast-Referenzen an. G-Funk wie auf »1ne Million« steht Maxwell auch deshalb gut zu Gesicht, weil so Flow-Varianz provoziert wird – und insbesondere der LP-Closer »PLZ« ist tatsächlich locker einer der besten Maxwell-Solosongs bis dato. Gerade um den zwangsläufig früher oder später eintretenden (selbst bei hartgesottenen 187-Jüngern) Übersättigungserscheinungen entgegenzuwirken, hätte man Maxwell gewünscht, er hätte ein gesamtes Album à la »Doggystyle« aufgenommen. Stattdessen gibt es erneut das üblich hochqualitative, disziplinierte Straßensound-Gewitter und den nächsten Hit aus der 1-Raf-7-Schmiede, passenderweise mit Camora-Feature veredelt. Eigentlich ist dieses Album hiermit bereits zur Gänze erzählt. Der Vollständigkeit halber noch zwei Notizen: Leider führt Maxwell auf »Intro« die elendige Rap-Tradition der verherrlichenden Missbrauchs-Fantasien fort (»Kann schon sein, dass ich ne Pille ins Getränk misch’, Lande im Gefängnis, aber mache kein Geständnis«). Und: Wer braucht eigentlich Tory Lanez? Das eigentlich ziemlich schicke »Es Rollt« hätte mit Trettmann safe besser funktioniert. Ist »Kohldampf« insgesamt also eher zum Vergessen? Nicht ganz. In die Sinnkrise führt diese Platte nämlich deshalb, weil sie trotz offen daliegender Kritikpunkte immer noch mehr gute Songs versammelt, als das Gros anderer Deutschrap-Veröffentlichungen in 2016. Und die 187-Geldzählmaschinen rattern munter weiter.

Kohldampf [Explicit]
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Seit 2011 Teil der JUICE-Crew, ehemalige Redaktionsleitung und heute Herausgeber der Zeitschrift "Das Wetter - Magazin für Text & Musik.