Macklemore & Ryan Lewis (Interview/Live-Stream)

Macklemore-Ryan-Lewis

Unseren Coverhelden Macklemore & Ryan Lewis steht ein heißer Sommer bevor, die großen Festivals wollen schließlich allesamt vom erfolgreichen Dreamteam aus Seattle bespaßt werden. Heute abend spielen die beiden quasi als Vorbereitung im Rahmen der X Games Munich im Münchner Olympiastadion – vor ausverkauften Rängen. Für alle, die nicht persönlich vor Ort sein können, gibt es glücklicherweise einen Live-Stream des Konzertes, ab 20:30 kann man hier von der Couch aus ins Stadion kucken.

Wir haben mal kurz nachgefragt, was die beiden zu den aktuellen HipHop-Großereignissen zu sagen haben: Kanyes neues Album, Jay-Zs neues Album und ihr eigenes Klickwunder »Thrift Shop«.

#Yeezus
Macklemore: Beim ersten Hören dachte ich mir: »Hm, hat seine, wie soll ich sagen … Momente.« Gestern habe ich mir das Album noch einmal angehört, weil ich wegen des Jetlags ohnehin nicht schlafen konnte, und leider hat sich an meiner Meinung nichts Grundsätzliches geändert. Es sind gute Ideen darauf, doch nicht alle davon finde ich gut umgesetzt. Ich habe parallel zum Hören diesen »Pitchfork«-Artikel über die Arbeiten am Album gelesen, und plötzlich wurde ich paranoid, von wegen: Vielleicht checke ich es einfach nicht, vielleicht ist das wirklich genial und ich nur zu dumm. (lacht) Aber andererseits ist das nun mal die »Pitchfork«-Masche: eine bestimmt Art von Kunst auf einen Sockel zu heben und damit unangreifbar zu machen. Ich respektiere jedenfalls seinen Mut, etwas Unkonventionelles zu tun. Wenn da plötzlich eine eingängige Melodie war, haben sie sie sofort rausgenommen. Wenn da überhaupt eine Melodie war, haben sie sie sofort rausgenommen. Sie haben einfach das genaue Gegenteil von dem getan, was man erwarten würde – und was ein normaler Mensch mögen könnte. (lacht)
Ryan Lewis: Auf mich wirkt das Ganze wie ein riesiges gesellschaftliches Experiment. Kanye wollte einfach zeigen, dass er gerade irgendwas rausbringen könnte und es unfassbar gute Reviews bekommen würde, solange es nur unkonventionell genug klingt. Ich glaube, er wollte sich über die »Pitchforks« und »Spins« dieser Erde und all die anderen Avantgarde-Kritiker lustig machen … Okay, wollte er vermutlich nicht. Aber es wäre auf jeden Fall der ultimative Beweis, dass er das Musikgeschäft wirklich in der Hand hat.
Macklemore: Die Lyrics sprechen mich auch nicht so an. Ich bin ein Riesenfan von Kanye, nicht nur von seinen Produktionen und seiner Marke innerhalb der Musikwelt, sondern vor allem auch von seinen Texten. Er ist ein phänomenaler Texter. Aber in dem, was er auf »Yeezus« zu erzählen hat, finde ich mich irgendwie nicht wieder.
Ryan Lewis: Aber selbst wenn man die Beats isoliert betrachtet, ist es einfach nicht so gut wie zum Beispiel »808s and Heartbreak«, das mich textlich auch nicht so angesprochen hat, aber schlicht und ergreifend brillant produziert war. »Yeezus« klingt schlampig für mich. Vieles darauf ist leftfield, einfach nur um leftfield zu sein. Ich habe gesprochen. Kanye, jetzt weißt du, wie ich über dein Album denke. (lacht)

#MagnaCartaHolyGrail
Macklemore: Ich freue mich drauf. Die Beats, die in dem Trailer zu hören sind, sind völlig verrückt.
Ryan Lewis: Ich mag diese zeitliche Begrenzung. Wie schnell alles geht. Wann hat er angefangen, das Album zu bewerben? Vor einer Woche? Und es kommt nächste Woche schon raus. Das hat eine krasse Energie, die sich hoffentlich auch in der Musik niederschlagen wird.
Macklemore: Geht mir genauso. Als Fan kann man das nur dope finden. Nur: Dachten die wirklich, dass das für die Charts zählen würde? So: »Hier Soundscan, ich habe eine Million Exemplare meiner eigenen Platte gekauft, kann ich jetzt bitte die erfolgreichste erste Woche aller Zeiten haben?«
Ryan Lewis: Och, ich glaube, es gibt viele Leute, die ihre eigene Platte kaufen, um in die Charts zu kommen.
Macklemore: Ja, klar. Aber nicht eine Million und in aller Öffentlichkeit. (lacht) Der Deal mit Samsung ist jedenfalls interessant, so wie auch »Watch The Throne« schon sehr interessant war. Kanye und Jay sind sehr innovativ, wenn es darum geht, neu zu definieren, wie wir heutzutage neue Musik bekommen.

#350MillionenYouTubeViewsThriftShop
Macklemore: Ich kann das nicht mal aussprechen. Dreihundertdreiundfünfzigmillionensechshundertvierunddreißig … Bitte was? Kein Spaß, das geht mir einfach nicht über die Zunge. Zu lang.
Ryan Lewis: Andererseits: Jede Zahl über eine Million ist eigentlich schon nicht mehr vorstellbar. Ich meine, eine Million Menschen, das ist eine ganze Menge. Es ist also auch kein allzu großer Unterschied mehr, ob das jetzt eine Million oder 350 Millionen Views sind.
Macklemore: Lass es mich mit den Worten eines großen Philosophen sagen, dessen wahre Bedeutung für die Kulturgeschichte der Menschheit bislang leider nie vollständig anerkannt wurde – mit den Worten des großen Philosophen Wanz: »It’s fucking awesome!«

(db)