Lucki – Watch My Back // Review

(Soundcloud.com/boob7)

Die stereotypen Gesten von Rappern haben sich innerhalb der vergangenen paar Jahre gewaltig geändert. Früher hätte man als Genre-Fremder noch irgendwie drei Finger von sich weggestreckt und »Yo, yo, yo« gerufen, heute ist die Spannung raus. Baumeln­de Gliedmaßen sind en vogue, siehe Chief Keef drüben, Yung Hurn hier. Körperhaltungen und dazu passende Laute, als wäre der Betäubungspfeil kurz davor zu wirken. Ein MC aus Chicago ist ein echter Vorreiter in puncto Gummikörper, und völlig zu Unrecht kriegt er viel zu selten Props dafür, zur ersten Welle an Nihilisten-Rappern auf Cloudrap-Beats zu gehören. Um es mal spezieller zu machen: In einem Video zu einem Song namens »Lowlife«, womit ja fast schon nuff gesaid wäre, kommt der junge Rapper dem Tyrone-Biggums-Look gefährlich nahe. »Lowlife« war der Standout-Track von Luckis 2015er-Mixtape »X«. Zwei Jahre später hat sich nichts verändert, und mit nichts ist hier auch nichts gemeint: kein Friseur, kein Reifeprozess, der Chi-Town-Slacker klingt wie er klingt – als würde er sich für die Aufnahmen direkt von der Couch und aus dem Kush-Koma erst mal zum Medizinschrank rollen, eine Xanax knuspern, um dann seinen Part einzurappen. Substanzenmissbrauch bleibt auch inhaltlich ein wichtiges Thema. Dieses trübe Gemisch wird von übersteuernden Bässen, knochigen Drums, mes­serscharfen Shakern und minimalistischen Synth-Lines durchgeschüttelt – Drill trifft auf Vollnarkose. Ungesunder Shit und deshalb natürlich geil.

Text: Philipp Kunze