Lil Durk – Lil Durk 2X // Review

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(Def Jam / Universal)

Vielleicht hatte Staiger einfach recht, als er sagte, dass US-Rap wegen seiner mone­tären Monothematik langweilig geworden ist. Im Fall von Lil Durk jedenfalls ist das so. Alles zu besitzen reicht dem jungen G aus ­Chicago nicht, man muss es doppelt haben. Mehr als Juwelen, Weiber und Knarren hat klein Durk aber gar nicht auf dem Schirm. Obwohl ihm mittlerweile alle Türen offen stehen, betet er lieber in einer Tour zum schnöden Mammon, mit dem Lean in der einen und der Glock in der anderen Hand. »I can’t do shit for free, bitch«, ermahnt er zwischen obliga­torischem Hi-Hat-Geschepper. Und Future stimmt mit ein: »I want it all for me and my dogs, so we can ball.« Lil Durk teilt sich gar in Zwei, um noch exzessiver ­grinden zu ­können: »I’m Lil Durk two times yeah. I swear, I do it like it’s two of me.«. Kritik an einem System, das ihm alles abverlangte? Auf gar keinen Fall. Im Gegenteil: Wenn es läuft, ist es dein bester Freund. Dabei (t)rappte sich Durk aus einer Welt von Mord und Totschlag und verlor in dieser sogar seinen Manager OTF Chino und seinen Cousin OTF NuNu. Beide wurden Opfer des nicht enden wollenden Gangfights seiner Heimatstadt. Und wahrscheinlich verlor er in diesem Zusammenhang weitere Menschen, die ihm nahe standen. Doch sei’s drum: »Keep your gun, we pop up/Don’t try us, we glocked up«. Der dreifache Familien­vater spuckt lieber weiter Drohgebärden und Öl ins Feuer, statt seine weitreichende Stimme auch nur ansatzweise für etwas ­Sinniges zu erheben. Für Selbst­reflexion ist es vielleicht einfach noch zu früh beim 23-Jährigen, der Beyoncé wegen ihrer Schönheit die Ohren vollsülzt. Entweder ist »2x« der künstliche Sure Shot, der bloß ­keinen Fan mit ungewohnten ­Aussagen ­verjagen soll und sein Einkommen sichert – was man einem Mann nicht verübeln kann, der erlebt hat, was Durk erlebt hat. Andernfalls hat der Neureiche noch einiges an Persönlichkeitsentwicklung vor sich. Das Potenzial dazu ist definitiv vorhanden.
 
Text: Jan Burger