Laas Unltd – Backpack Inferno

 

laas

 

( No Image Records)

 

Co-Signs von Savas und Banjo, eine astreine Realness-Vita inklusive Stammtisch-Background und Freestyle-Fame, beachtliche technische Fähigkeiten – nach der gängigen HipHop-Logik hätte es dem Wahl-Sanktpaulianer längst möglich sein müssen, diese Faktoren zumindest in szeneinternen Erfolg umzumünzen. Auf dem Umstand, dass ihm das nicht gelungen ist, ist Kollegah in seinem unambitionierten Doppelgänger-Diss-Track schon zur Genüge herumgeritten. Immerhin die grundsätzliche Sympathie der Szene weiß Laas nach zehn Jahren im Spiel dennoch hinter sich. Nur stellt er diese mit seinem ersten Soloalbum ernsthaft auf die Probe. Wo man den beiden Vorgängern noch wohlwollend einen ungestümen Mixtape-Charme attestieren konnte, kommt man spätestens bei „Backpack Inferno“ nicht mehr umher, diese Konzeptlosigkeit auch als solche zu benennen. Wie sonst kommt man dazu, ein Album mit einem derart plakativen Titel zu versehen, es dann aber fast durchweg mit austauschbaren, dünnen Preset-Beats und käsigen 80s-Referenzen zu bestücken? Was ist denn das für ein „Backpack Inferno“, das auf Hi-Hat-Gezitter mit Plastikstreichern aus der Retorte daherkommt? Der platte Labelname „No Image Records“ bringt zugleich mal wieder die fehlerhafte Annahme zum Ausdruck, dass Fiktion und Fantasie im Rap nichts zu suchen hätten. Hätte Laas der Welt etwas Spannendes mitzuteilen, dann wäre dieser Irrtum nicht ganz so fatal, doch bis auf „Verkackte Kindheit“ und „Traumtänzer“ findet sich kein einziges Stück auf diesem Album, das auch nur ansatzweise so etwas wie emotionale Substanz aufweisen würde. Der Rest? Technisch stark gerappt, aber inhaltlich von einer Durchschnittlichkeit und Leere, die dem Titel diametral zuwiderläuft: Ein Stück über Sonnenbrillen, einer übers Kiffen, einer über Sex, einmal Betroffenheitslyrik, plus ein paar belanglose Partysongs. Diese Backpack-Nummer stinkt daher nach einem aufgesetzteren Brechstangenkonzept, als es jede Zuhälter-Mär je sein könnte. Vor allem jedoch ersetzt die bloße Behauptung einer künstlerischen Identität nicht deren substanzielle Unterfütterung. Fazit: Ein klarer Fall von Etikettenschwindel und leider eine verpasste Chance eines talentierten Rappers.

 

Text: Stephan Szillus