Kelela – Blue Light // Video

Man hatte den zeitlupen’esken Ambient- und Industrial-Flächen, die zur OVOXO-Ära um 2011 die musikalische Weltherrschaft antraten, schon ein überschrittenes Haltbarkeitsdatum zugeschrieben. Wohl auch, weil Kelela sich zwischen ihrem Mixtape »Cut 4 Me« und dem Debütalbum »Take Me Apart« für das Internet-Zeitalter unverschämte vier Jahre Zeit ließ. Doch der äthiopisch-stämmige Angelino hat mit dem diesjährigen Langstrecken-Release  ein sensibles, detailreiches Manifest aus 90s-R&B-Schmalz, kryptischen Jazz-Referenzen und cluborientierter Eingängigkeit gewoben, die Empfindsamkeit zur obersten Prämisse erklärt und damit unter anderem das Cover der Kollegen von Spex erobert. Die R&B-Version von Björk? Vielleicht. Auch die neue Single »Blue Light«, in der sich Kelela als eine Art schwarze Medusa in beklemmender Leidenschaft den eigenen Dämonen zum Fraß vorwirft, balanciert zwischen Sinnlich- und Verletzlichkeit auf brummigen Synthie-Monstern durch die Membrane. »I’m begging your pardon/Told myself I needed time« – andere nennen das inneren Schweinehund. Ein heißer Kandidat für das beste Non-Rap-Album des Jahres. Safe.