Karate Andi: »Mir ist egal, ob die Leute das verstehen oder nicht. Hauptsache, sie lachen!« // Interview

Karate Andi

Vom Hinterhof-Boss zum Chef im Szenekiez. Während sich sein einst verruchter Neuköllner Bezirk zum hippen Hotspot entwickelte, ist Karate Andi seinem Asi-Lifestyle treu geblieben. Daran änderte auch die finanzielle Sicherheit durch sein neues, erfolgsverwöhntes Label nichts. Andis Selfmade-Debüt »Turbo«, das mit dem neuen Power-Producerteam DIE ACHSE, bestehend aus Bazzazian und Farhot, entstand, erfüllt alle Erwartungen, die Rapdeutschland an den zugezogenen Eckkneipenhustler hätte stellen können. Es geht um Punchlines, Pils und Pennerrap. Ein unbedingt ernstzunehmendes Interview mit dem Meta-Ironiker übers Schwarzfahren, die Seifenindustrie und »Waterworld«.

Wohnst du noch in deiner Studenten-WG in der Hermannstraße?
Boah, das ist mir eigentlich zu privat.

Aber du hast doch damals selbst, in der Promophase zu »Pilsator Platin«, in diversen Interviewformaten deine Wohnung freizügig zur Schau gestellt.
Ja, es ärgert mich auch überdolle, dass ich die Presse in mein Haus gelassen hab. Da war ich einfach dumm. Ja, nö, hat sich nichts verändert, alles gleich.

Kannst du dir von deinem Selfmade-Vorschuss denn jetzt ein Monatsticket für die Öffentlichen leisten? Oder hast du immer noch Ärger mit der BVG?
Nee, Monatskarte lohnt sich nicht. Ey, ich wurde letztens ohne Ticket kontrolliert, hatte 40 Euro in der Tasche und dachte mir: »Cool, kann ich direkt die Strafe bezahlen.« Und dann hat das plötzlich 60 Euro gekostet, was ich überunverschämt finde. In letzter Zeit versuche ich mir immer ein Kurzstreckenticket zu ziehen, weil ich gerade keinen Personalausweis hab. Das kann sehr ungemütlich sein, wenn man dann gebustet wird.

Was für Punchlinerap hast du eigentlich gehört, als du in Göttingen begonnen hast zu freestylen?
Der Wolf, Phillie MC, so was fand ich immer ganz geil. Alle anderen sind Schwuchteln. Außer meine Crew: Human Traffic. Ah, streich das Schwuchtel, das will ich nicht mehr sagen.

Du legst besonders viel Wert auf Technik, auch wenn du das verneinen würdest. Müssen deine Reime denn mindestens dreisilbig sein?
Nee, manchmal reime ich auch gar nicht. Da gibt es keine mathematische Formel für, das kommt einfach so raus. Ich finde aber schon, dass Reime einen besseren Klang haben, wenn sie mehrsilbig sind. Ich bin schon ein Reimnerd, zähle die Silben aber nicht extra nach oder so. Ich muss nicht auf Teufel komm raus einen elfsilbigen Reim finden, der dann nur aus zwei Substantiven besteht. Das ist mir relativ egal. Zweckreime sind auch nichts Schlimmes. Das liegt ja in der Natur des Reims. Und diese blöden Formulierungen, die von Rappern erfunden werden, gehen mir eh voll gegen den Strich. Soll man einfach machen. Scheiß auf Regeln! Wie wärst du geendet, wenn dich deine Kumpels bei »Rap am Mittwoch« nicht auf die Bühne gezwungen hätten? Als gescheiterte Existenz? Bin ich doch jetzt auch, mein Gott. Es gibt ja nichts Schlimmeres, als Musiker zu sein. Das ist das Hängegebliebenste, was es gibt – richtig Penner-Style. Und dann bin ich nicht mal Musiker, sondern Rapper. Das ist ja so, als wäre ich Müllmann. Rapper zu sein ist schlimmer, als mit der Gitarre auf der Warschauer Brücke zu stehen und Musik zu machen. Richtig ekelhaft so was. (grinst)

 
Aber ist das Bild über Rapper in der Öffentlichkeit nicht viel respektierter als früher? Dem Zuhörer wird ja vermittelt, dass man es bereits als Top-20-Rapper geschafft hat.
Damit hat man ja nicht ausgesorgt, du bist trotzdem gefickt. Die Leute bilden sich da was drauf ein. Danach bist du halt wieder ein Penner, der auf der Straße lebt. Wie viele Rapper haben denn ausgesorgt? Ich kenn höchstens Coolio und Nana.

Du bist gut mit MC Bomber befreundet. Wie funktioniert ihr als Team?
Wenn wir uns treffen, trinken wir eigentlich nie. Wir unterhalten uns, spielen Backgammon oder Schach. Mühle haben wir neulich für uns entdeckt. Es geht immer ganz gesittet zu, wenn wir uns treffen. Wir sind auch der Meinung, dass Alkohol Leben zerstört. Kann mir doch keiner erzählen, dass Alkohol cool ist. So ein Bild wollen wir nicht vermitteln, sondern mit gutem Beispiel vorangehen.

Machst du noch Breakdance?
Klar, immer auf der Warschauer oder der Oberbaumbrücke. Da tanz ich, wenn ich wieder neue Schuhe brauch. Neue Chuck Taylors.

Was hörst du denn momentan für Musik, wenn du keinen Rap feierst?
In letzter Zeit wieder viel Wave und Neue Deutsche Welle. Gerade vor allem die erste Platte von Zoologischer Kongress. Die waren zwar nicht so erfolgreich und hatten nur zwei Lieder, aber die waren richtig gut.

Weiter geht’s auf Seite 2