Track-by-Track Analyse: Die DNA von »T.L.O.P.«

DNA von TLOP

Selten waren wir so nah dabei, die Entstehung eines Kanye-West-Albums zu beobachten, obwohl wir letztlich nach wie vor dabei außen vor standen. Wer schon mal ein kreatives Projekt via Crowdfunding ermöglicht hat, weiß, wie nah man tatsächlich an Schaffensprozesse beteiligt sein kann. Wer wusste sich allerdings während der omnipräsenten Phantom-Transparenz um »The Life of Pablo« zu verorten? Aller Effekthascherei zum Trotze, campte man, zwischen Timeline-Lawinen und Twitter-Abonemments, Nacht für Nacht vor präferierten Kanälen, um auf Neuigkeiten zu warten. Nicht, um den Informationsdurst zu stillen, sondern diese über den Share-Button zu verbreiten. Schneeball-Promo.

Nun wurde am 14. Februar das vollständige Projekt auf die Menschheit losgelassen. Zeit, den Hype zu relativieren. Die Anzahl der Rekonzeptualisierungen ist an einer Hand abzuzählen. Ein Album umzubenennen, die Anordnung der Songs zu drehen und neu vorzunehmen ist ein üblicher Vorgang in der Musikindustrie. Eine Tracklist entsteht nicht chronologisch. Insbesondere erst dann nicht, wenn enthaltene Songs sechs Jahre zurück datierbar sind. Spricht man jedoch von Kanye West, wird jeder Sneak-Peek, jeder Tweet, jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Das übliche Spiel eben. Don’t hate the game, hate the player. Wie bei kaum einem anderen Künstler werden Erwartungshaltungen und Toleranzgrenzen des Hörers mit jedem neuen Projekt aufs Äußerste strapaziert. Die sukzessive Anerziehung einer Vision. Der neuste Coup: ein wildes Gewülst aus Vorabveröffentlichungen, Freestyles, veritablen Bass-Box-Bangern und mitgeschnittenen Telefonaten. Der perfekte Zeitpunkt also, sich das Album nach den ersten Eindrücken mal etwas genauer anzuschauen.

19 Produzenten, 20 Co-Produzenten, 13 zusätzliche Co-Produzenten, 17 Feature-Künstler, fünf zusätzliche Features, elf Toningenieure und satte 99 Komponisten und Arrangeure. Das ist »The Life of Pablo«.