Kaas (Interview)

 

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Es gibt in Deutschlands Rap-Szene nur wenige Künstler, die bewusst oder unbewusst dermaßen ­polarisieren wie Kaas. Seitdem der Chimperator-Künstler von den Geistern der Liebe beseelt wurde und wie einst die Gebrüder Blues im Auftrag des Herrn die Botschaft unters Volk bringt, trifft das Deutschrap-Einhorn ebenso häufig auf offene Arme wie geballte Fäuste. Eine Situation, die ihre Schattenseiten hat. Vor allem, wenn man wie Kaas über eine scharfe Beobachtungsgabe verfügt und ein feines Gespür für die Situation hat. Tatsächlich steckt hinter der Kunstfigur Kaas ein weitaus facettenreicherer Mensch, als es die Überspitzung annehmen lässt. Sich mit diesem Menschen zu unterhalten ist eine ungemein ­faszinierende, weil mehrdimensionale Angelegenheit. Ein Blick hinter die Maske, anlässlich seines neuen ­Doppelalbums »Liebe, Sex und Twilight Zone«.

 

 

Ich erinnere mich daran, dass du ­ursprünglich ein komplettes Album mit Whizz Vienna machen wolltest. Was wurde aus der Idee?
Ich hatte viele Beats von Whizz, jetzt ist nur einer drauf gelandet, auf dem ich Kamp und Casper feature. Wenn ich schreibe, höre ich viele Beats an und warte, dass diese Jay-Z-mäßigen, magischen Momente passieren. Zeitweilig wollte ich das Album auch komplett mit Wasi von den Massiven Tönen machen. Er wohnt heute in Berlin und kam ein paarmal extra nach Stuttgart. Wir haben viel geredet, aber es hat am Ende auch nicht ­geklappt. Das war zu chaotisch, es sollte wohl einfach nicht sein. Und so wurde ­Dasmo am Ende mein Hauptproduzent.

 

Hast du eine Erkenntnis aus dieser Zeit gezogen?
Dass es menschlich gut funktionieren muss, wusste ich schon vorher. Bei dem Rap-Album war mir das auch gar nicht so wichtig, weil ich eigentlich nur Beats picken, schreiben und meine Parts an die Producer schicken wollte, die dann daraus Songs machen. Ich bin bei meinen Songs immer Co-Produzent und wollte das bei dem Rap-Album bewusst nicht mehr machen und akzeptieren, was ich von den Produzenten zurückbekomme. Aber das konnte ich nicht. Ich kam mit den Sample-Produzenten auch nicht so gut zurecht, weil ich einfach immer etwas dazuspielen will. Deshalb hat sich das für mich nicht so ergeben. Aber das interessiert doch keinen…

 

Doch, mich schon. Ich finde, dass diese Facette von dir als Künstler ein bisschen das überzogene Kaas-Hippie-Bild gerade rückt. Du bist schon auch ein Dickkopf, der sich durchsetzt, oder?
Ich habe im Studio definitiv eine andere Seite. Ich bin ein Terrorist, ein Tyrann und kann auch ein komplett liebloser Wichser sein. Ich sage das nur ungern, aber ich bin manchmal ein wenig verbissen und muss lernen, lockerer zu sein. Ich habe meistens diese klare Vision, wie ich etwas haben möchte und bin da nicht offen für andere Vorschläge. Bei Kollabo-Projekten wie den Orsons bin ich schon offener, da bin ich ja auch nur einer von vier Tyrannen. Da sind wir alle kompromissbereiter, gleichen die Visionen ab und kämpfen nur mit harten Bandagen, wenn wir grundlegende Meinungsverschiedenheiten haben. Mittlerweile bin ich durch meinen Verlag zum Songschreiber für andere geworden und schreibe auch für Pop-Acts. Bei den Writing-Sessions mit anderen Musikern und Produzenten bin ich komplett frei. Ich glaube, je persönlicher die Musik ist, um so verbissener bin ich.

 

Ist es die große Stärke der Orsons, im Studio hart zu arbeiten und auf der Bühne dann vor allem Spaß und ­Leichtigkeit zu präsentieren?
Ich widerspreche dir, wenn du von Spaßmusik sprichst. Das soll es nicht sein. Dafür steckt viel mehr dahinter, das greift zu kurz. Von mir aus kann man das erste Orsons-Album als Spaßprojekt ansehen, aber gerade Kaas-Musik soll weniger Spaß sein. Es soll Mut machende Musik sein. Gib mir ein anderes Wort für »positiv«, denn ich hasse dieses Wort! Aber am Ende soll es angenehm zu hören sein. Wohlfühlmusik. Es sollen Emotionen und Bilder erzeugt werden, die dich entspannen und Liebe fühlen lassen. Mit Spaß hat das gar nicht so viel zu tun.

 

 

Ein typischer Kaas-Text ist meist aus einer Beobachterperspektive verfasst. Wie schreibst du eigentlich deine Lyrics?
Da habe ich verschiedene Ansätze. Manchmal habe ich die Idee zu einer Geschichte, die ich bildhaft versuche umzusetzen. Diese obskuren, abstrakten, surrealen Kaas-Texte, die keine klare Handlung verfolgen, die passieren hingegen einfach. Ich beobachte, was in meinem Gehirn vor sich geht und jedes Bild, das sich richtig anfühlt, schreibe ich auf. Im Nachhinein stelle ich fest, dass diese Geschichte, die manche Leute albern, verballert oder wie auf Drogen geschrieben vorkommt, wie ein Traum funktioniert: Jedes Symbol steht für eine Emotion oder Lebenssituation, die ich gerade erlebe. Das mag ich an meinen Texten. Ich will das auch gar nicht erklären, aber vieles hat seinen Hintergrund.

 

Welche Rolle spielt dabei Rap-Technik?
Da bin ich völlig frei. Aber ich finde, dass ich technisch besser bewertet sein müsste. Ganz viele Rapper, die Texte voller Triple-Reime haben, könnten meine Texte nie nachrappen, weil ihnen Atemtechnik und Rhythmusgefühl fehlt. Ich bin mit Absicht kurz dahinter, dann wieder kurz davor und scheiße drauf, ob sich das jetzt dreimal reimt. Obwohl ich auch manchmal Bock habe, viele Reime zu kicken. Gerade auf dem Rap-Album habe ich ein paar Songs, bei denen ich mir besonders viel Mühe gegeben habe. Ey, ich bin ein geiler Rapper! (lacht) Wenn ich ehrlich bin, kotzt es mich aber schnell an, wenn ich so sehr auf Reime achte. Dann mache ich mich wieder davon frei.

 

Aber Tua und du, ihr habt ja schon eine sehr technische Vergangenheit. Wie kam es denn zu dieser Befreiung von Reimzwängen?
Sehr gute Frage. Es war wohl der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass ich positive Musik machen will. Da wusste ich, wofür ich stehen will. Von da an war mir Technik völlig egal. Es ging nur noch um das, was ich sage. Mir macht es Spaß, meinen Geist und Verstand zu beobachten, wie er Geschichten ausspuckt. Ich konnte von da an auch keine Punchlines und Battletracks mehr schreiben. Wieso soll ich das machen? Vielleicht bin ich auch einfach nur Battlerap-depressiv. Dabei bin ich großer Fan von Kollegah und Farid Bang. Nur, ich kann das halt selbst nicht mehr.

 

Eines der großen Themen auf deiner Platte, das für mich eigentlich erledigt war, ist der Amoklauf von Winnenden. Wieso hast du dieses Thema noch mal aufgegriffen?
Das ist viel komplexer. Der Song »Jesus Loves Me« entstand, weil ich immer wieder Leute treffe, die damals von dem Amoklauf betroffen waren. Ich habe beispielsweise einen Typen getroffen, der kam zu mir und sagte: »Meine Freundin wurde bei dem Amoklauf erschossen und ich habe dich dafür gehasst. Aber dann habe ich mich damit beschäftigt und jetzt finde ich dich cool.« So etwas zu hören, ist für mich sehr bewegend. Diese Zeit war ja auch für mich sehr krass und außergewöhnlich. Ich denke schon, dass mich das geprägt und mir die Augen geöffnet hat.

 

In welcher Hinsicht?
Ich dachte ja am Anfang, ich wäre schuld. Meine größte Angst war, dass sie auf dem Rechner dieses Typen meinen Song finden und dass er davon inspiriert war. Mir war damals schon klar, dass ich nicht wirklich schuld bin, weil er ein Psychopath sein muss, wenn ihn ein Song zu so einer Tat bewegt. Aber auf die Frage, wie ich damit umgehe, wenn ich einen Teil dazu beigetragen habe, fand ich keine Antwort.
Ich dachte mir immer: Wenn ich für 16 tote Kinder verantwortlich bin, will ich mit mir nichts mehr zu tun haben. Als der Medienrummel direkt nach der Tragödie losging, habe ich mich bei meiner Schwester in der Nähe von Heidelberg versteckt. Ich erinnere mich, wie ich an diesem Nullpunkt einen Film schauen wollte, der nichts mit Gewalt zu tun hat. Jede DVD war aber voll mit Gewalt, Brutalität, Waffen, Knarren. Gewalt war überall, sie ist in unserem Leben überpräsent. Gewalt und Sex werden ständig krass überspitzt dargestellt. Deshalb bin ich so verbissen positiv, denn es gibt so wenig positive Sachen. Der einzige Film, den ich damals fand, war übrigens »Bruce Allmächtig«. Darin gab es keine Knarren. Ich bin mit dieser Tragödie verheiratet. Deshalb beschäftigt mich das immer noch. Vor allem, wenn Leute, die diesen Amoklauf erlebt haben, mit mir sprechen.

 

Warst du jemals in Winnenden?
Ein guter Freund von mir wohnt in der Nähe. Ich bin aber nie bewusst in diese Stadt gefahren. Ich bin da ein bisschen gestört. Für dieses Album wollte ich mich eigentlich irgendwo alleine einschließen: zwei Wochen nur der Rechner und ich. Ein Kumpel bot mir seine leere Wohnung in Winnenden an, aber das wollte ich nicht. Vielleicht sollte ich zum Psychiater.

 

Du sagtest, dass Gewalt überspitzt dargestellt wird. Gehört Überspitzung nicht zum Musikgeschäft dazu? Du bist ja auch der verrückte, lustige Kaas, der den ganzen Tag von Liebe redet.
Ich nutze diese Überspitzung bewusst, da hast du Recht. Es ist eine Überspitzung gegenüber der ganzen Gewalt. Ich will ein Gegenpol dazu sein. Das Pendel soll auch in eine andere Richtung ausschlagen können.

 

Aber es ist schwierig.
Genau so ist es.

 

 

Ein anderes Thema, das auf der ­Platte wiederholt vorkommt, ist deine ­Gottesbegegnung. Warum trägst du so etwas Privates wie deine Religiosität nach außen?
(Pause) Es ist wichtig, dass jetzt die richtige Person antwortet. Ich durfte Dinge erleben, die einfach magisch waren und ich möchte davon berichten. Natürlich bin ich auch oft schlecht drauf, aber ich habe schon mehrmals für kurze Zeit die Erleuchtung erlebt. In den spirituellen Lehren ist das ein bekanntes Phänomen: Suchende erhalten Erleuchtungs-Previews. Ein Snippet von der Erleuchtung, ein Videoblog quasi. (lacht) Das habe ich schon öfter erleben dürfen und das ist wunderschön, faszinierend, magisch. Deshalb will ich das als Musiker und öffentliche Person meinem Publikum mitteilen. Die Welt ist mehr als das, was wir daraus filtern. In meiner Musik erzähle ich nun mal aus meinem Leben, und ich rede auch viel mit Freunden darüber. Ich komme aus einer katholischen Familie und musste jahrelang in die Kirche gehen, aber mir war das egal. Ich habe gebetet, aber wusste eigentlich nicht, was ich da tue. Als das passiert ist, wurde mir klar, dass es wahr ist. Ich glaube allerdings, ich bin keiner Religion zugehörig. Ich weiß nur, dass es etwas gibt, das in dem Wort Gott eingesperrt und degradiert ist.

 

Aber du sprichst von Jesus, was nur vor dem Hintergrund einer christlichen Sozialisation Sinn macht.
Ich mag starke Bilder, deshalb mag ich die Geschichte von Jesus aus der Bibel. Aber wenn ich das Wort Gott benutze, möchte ich, dass die Menschen wissen, dass dieses Wort ein Gefängnis ist. Gott ist unbeschreiblich. Gott ist. Diese Geschichten für unerklärliche Phänomene wie die Kreuzigung, also Jesus’ freiwilliger Tod für alle Sünden, die wir begangen haben und jemals begehen werden, das ist für mich ein Symbol für ­Erleuchtung. Wir müssen uns dieser Erleuchtung nur zuwenden. Jesus ist ein Bild, das uns daran erinnert. Meine Songs sollen mich selbst und alle, die sie hören, auch daran erinnern.

 

Themawechsel. War es nicht absehbar, dass ein großer Teil der Rap-­Gemeinde mit deinem Eurodance-Ansatz ­überhaupt nichts anfangen kann?
Ich bin da immer relativ naiv und denke mir: Ach, das ist schön. Mache ich mal. Ich ging bisher wirklich davon aus, dass das alle cool finden. Mich nervt, dass ich mich selbst immer wieder verarsche und so blauäugig an die Sache herangehe. Ich dachte, alle finden das kreativ, neu, cool, innovativ und super.

 

Für mich ist Eurodance simple Tanzmusik ohne oder mit stark vereinfachter Message. Dein Ansatz ist viel mehr auf Inhalt ausgelegt. Man tanzt nicht, sondern hört zu. Was ist Eurodance für dich?
Natürlich wollte ich keinen Eurodance machen, wie er früher war. Dass man so etwas von mir erwartet, trifft mich. Eurodance ist für mich, stark vereinfacht: Eine Sängerin singt irgendeinen Scheiß, ein Rapper rappt irgendeinen Mist und drunter liegt ein Dance-Beat. Ich wollte aber nur eine Band inklusive amerikanischer Sängerin und altmodischen Eurodance-Beats. Das sollte wie in den Neunzigern klingen.
Als ich diese Musik gehört habe, war ich klein. Ich habe nichts verstanden, aber mochte die Harmonien, fand die Sängerinnen scharf, die Rapper cool und mochte die Energie. 2 Unlimited, Snap, Magic Affair. Ich habe das geliebt. Erst als ich anfing, die Texte zu verstehen, wurde mir klar, was Eurodance für eine wacke Scheißmusik war. Dann war ich enttäuscht, aber die Ästhetik fand ich immer super.
Als ich mit »Amok Zahltag« fertig war, habe ich mir überlegt, wie mein nächstes Album werden soll. Da kam diese Vision eines normalen Kaas-Albums im Mantel einer Eurodance-Platte. Mein Ziel war es, dieser durchkonzipierten Baukastenmusik, diesem Frankenstein der Musikindustrie, Seele und Herz zu spenden. Und ich finde, das ist mir auch gelungen.

 

Aber das passt doch nicht zusammen. Die Musik animiert den Hörer zum Tanzen, dann verschwinden in den Texten plötzlich Kinder.
Hey, ich will keine Tanzmusik machen. Ich wollte meiner Musik nur dieses Kostüm anziehen. Ich wollte nur diese Kack-­Eurodance-Musik cool machen, ihr Inhalt ­geben. Wenn die Hörer erst tanzen und dann ­plötzlich stehen bleiben, wäre das super.

 

War es eigentlich einfach, diesen Sound zu produzieren?
Am Ende schon. Dasmo habe ich auf dem Splash! kennen gelernt. Er gab mir eine CD und sagte: »Nimm Beats, nimm Beats!« Ich fragte ihn daraufhin: »Kannst du Eurodance-Beats bauen?« Ich habe das zuvor schon mehrere Produzenten gefragt, aber alle ­waren eher abgeneigt. Dasmo war sofort ­dabei. Er machte zu dem Zeitpunkt Eurodance-Partys in Berlin und nach zwei Wochen hatte ich fünf abartige Beatskizzen. Dann zeigte mir Dasmo auf MySpace unsere heutige Sängerin Kiss: »Fuck that music, but okay, it’s fun.« Heute mag sie diese Musik aber auch. Innerhalb von drei Wochen haben wir dann 15 Songs fertig gemacht. Für mich ist dieses Projekt ein vollwertiges Kaas-­Projekt, nur eben aufgeteilt auf drei Personen.

 

 

In deinem Song »Sweet Mango Summer« geht es um einen Vater, der seinen Sohn erst verliert und dann verzweifelt sucht. Ich fand den Track fast zynisch: Auf eine dramatische Handlung folgt jedes Mal eine fröhliche Hook.
Es ist aber nicht sarkastisch gemeint! Ich mache das bewusst. Ich lasse Unterschiede aufeinander prallen, damit sie eine stärkere Wirkung entfalten. Das ist realistischer. Der Typ hat seinen Sohn verloren, überall sind Polizisten, die nach dem Kind suchen, seine Frau weint, es läuft längst keine Musik mehr, aber er hat den dreckigen, fröhlichen Drecks-Song immer noch im Kopf.

 

Die Geschichten enden aber oft traurig. Das entspricht ja eigentlich nicht ­deinem Künstlercharakter.
Ich versuche bei positiven Songs, eine Polarität reinzubringen. Das Leben besteht aus Spannung und aus verschiedenen ­Richtungen. Hör dir »Wunderschöne Welt« an. Der letzte Part besteht aus Hass, Krieg und Gewalt. Ich habe gelernt, dass gute Songs mehrere Seiten aufzeigen. Maeckes hat mir von einer Schauspielstudentin erzählt, mit der er über das Spielen von Emotionen gesprochen hat. Sie sagte, wenn sie »glücklich« spielt, wirkt das viel intensiver, wenn sie zugleich Verlustangst beimischt. Emotionen sind immer ein Mischmasch im Kopf. Deshalb schreibe ich meine Songs auch so.

 

Aber macht das die Arbeit mit einer klar definierten, immerzu positiven Musik wie Eurodance nicht gerade schwierig?
Bei »Sweet Mango Summer« ist mir das wohl am besten gelungen. Aber das ist immer so. Ich arbeite ja insgeheim auf ein Best-of-Album hin und überlege nach jeder LP, welche Songs davon auf dieses »Best of Kaas« kommen werden. Von dieser Platte werden es nur zwei bis drei Songs sein, obwohl ich mit der Platte überzufrieden bin. Aber es gibt eben pro Platte immer nur ­wenige Ausnahmesongs. Egal bei wem. Auch bei Kanye West, von dem ich Überfan bin. Und wenn in 20 Jahren mein Best-of-Album kommt, muss es die Qualität eines »Best of The Doors« haben. (lacht)

 

Es wurde ja im Vorfeld dieser Platte ­gemunkelt, dass sie über ein Major-Label veröffentlicht wird.
Das war so dumme Zeitverschwendung. Als wir das Album weit genug fertig hatten, dass es vorzeigbar war, haben wir es ein paar Leuten gezeigt. Alle meinten, die Platte habe großes kommerzielles Potenzial. Also sind wir zu diversen Majors gegangen und haben dort vorgesprochen. Aber das war immer die gleiche Scheiße: Ich hatte ihr Frankenstein-Eurodance-Monster zu einem Menschen gemacht und sie wollten es wieder zu einem Monster machen. Sie wollten ein rein partymäßiges Album ohne Tiefe. Andere haben die Soundvision einfach nicht gepeilt und meinten, es klinge nicht modern genug. Am Ende waren sie einfach zu majormäßig. Also hab ich am Ende gesagt: Scheißen wir auf sie. Mein Label fand das natürlich nur bedingt super. Aber egal. Ich wollte eben eine Platte machen, die genau solche Leute vor den Kopf stößt.

 

Text: Julian Gupta