Juicy Gay feat. Haiyti & Jerry 911 – Wo bist du mein Sonnenlicht // Track

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Es geht um Reichweite. Nicht mehr, nicht weniger. Wer heutzutage in den (a)sozialen Medien nicht laut genug schreit, wird überhört. Wo Algorithmen deine Timeline kuratieren, kommt schließlich primär das bei dir an, was andere Menschen auch berührt hat – egal, ob positiv oder negativ. Und niemand weiß sich diese Tatsache so sehr zu nutzen zu machen wie ein bestimmter Schlag Rapper. Ihr wisst, diese Typen, die für ihre vermeintlich verschluderte Delivery gehasst werden, über deren Ernsthaftigkeit man langwierige Diskussionen führt und ob deren inflationärer Verwendung von Hilfsmitteln wie Autotune der gängige Kommentar »OHRENKREBS!!!111« noch eine der milderen Reaktionen darstellt. Juicy Gay und Haiyti sind, so verschieden ihr musikalischer Output doch sein mag, längst in diese Schublade gesteckt worden. Ihre Musik wird deswegen weder schlechter noch besser – nur wird sie ob der wütenden Auseinandersetzung in den Kommentarspalten automatisch von mehr Menschen gehört – Reichweite und so, ihr versteht.

Wer als deutscher Rapper heutzutage Autotune benutzt, sieht sich früher oder später mit dem Vorwurf konfrontiert, er wäre ein billiger Grup-Tekkan-Abklatsch. Grup Tekkan, wir erinnern uns, das waren vier türkischstämmige Jugendliche aus dem pfälzischen Germersheim, die mit ihrer stümperhaftem Darbietung der Eigenkomposition »Sonnenlicht« zum Meme wurden und viral gingen, als diese Prozesse noch via StudiVZ und TV-Total-Nippeln funktionierten. Aber Juicy Gay wäre nicht Juicy Gay, wenn er den Spieß nicht einfach umdrehen und aus dem plumpen Vorwurf einen Hit zaubern könnte. Et voilà: »Wo bist du mein Sonnenlicht« in der Zwosiebzehner-Version.

Foto: Marius Knieling