JUICE #157 mit Kollegah-Cover und JUICE-CD #122 ab 13.02. am Kiosk

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JUICE-Ausgabe #157 (März 2014) ist ab dem 13.02. bundesweit für 5,90 EUR inklusive JUICE CD #122 im Zeitschriftenhandel erhältlich. Wir liefern vorab einen Blick ins Heft.
 
DIE THEMEN DER JUICE-AUSGABE #157
 
Titel: Kollegah – Von Headset zu Jetset
Knappe zehn Jahre ist es her, dass Felix Antoine Blume zum ersten Mal zum Stift griff, um Reime zu schreiben. Dass er erst Mitte der Nullerjahre mit dem Rappen beginnt, wird er in seinen Anfangs­jahren nicht müde zu betonen. Auch heute noch, lange nachdem das einstige Internetphänomen zum veritablen Superstar samt Goldschallplatten und einer guten Million Facebook-Fans geworden ist, beharrt er darauf: »Ich habe Deutschrap von Anfang an revolutioniert.« Ende April ernennt sich der Boss nun auch selbst zum »King«. Traditionalisten fragen sich: Wie konnte es soweit kommen, dass ein solch absurder Typ die Szene mit seinem Silbengemetzel komplett unterwandert? Deutsch-­Kanadier, Moslem, Fitnessfanatiker, Jurastudent, Malwettbewerbschampion: Eine Spurensuche im Leben von Kollegah, dem widersprüchlichsten Künstler der hiesigen Raplandschaft.
 
Bushido – Staatsfeind Nr. 1
Der Titel seines dritten Albums, er kommt heute wie eine Prophezeiung daher. Anis Mohamed ­Youssef Ferchichi ist 2014 ein gehasster wie gefürchteter Mann. Er steht auf der Abschussliste der BILD, Klaus Wowereit und Gregor Gysi sähen ihn am liebsten hinter Gittern und unsere ­Großmütter würden uns wohl vor einem Interview mit diesem Bushido warnen. Gleichzeitig erlebt eben dieser, in der Folge seiner Auseinandersetzung mit seinem ehemals engen Vertrauten Kay One, künstlerisch ein überraschendes Hoch. Seien es seine totdiskutierten Strophen auf dem Debüt­album seines Zöglings Shindy, sein Vers auf Sidos »30/11/80« oder eben »Leben und Tod des Kenneth ­Glöckner«: Bushido rappte so hungrig, so angriffslustig, so on point und nicht zuletzt so humorvoll wie schon lange nicht.
 
RAF Camora & Chakuza – »Ein bisschen Spaß muss sein«
Da sitzen sie. Entspannt, fröhlich lachend, sich zuprostend, schwelgend in Erinnerungen an eine ­entspannte Zeit, vollkommen zufrieden. Chakuza und RAF Camora teilen eine gemeinsame ­Vergangenheit und eine gemeinsame Zukunft. Von den ersten Features vor einer halben Dekade, hin zu einem gemeinsamen Album namens »Zodiak« im Jahr 2014. Der Kreis schließt sich.
 
PA Sports – Reloaded
»Deutschlands Albtraum« lautet der Titel eines mehrere Jahre alten JUICE-Artikels über PA Sports. Und obwohl die Überschrift damals nicht so negativ gemeint war, wie sich das zunächst lesen mag, personifiziert Parham Vakili als intelligenter Akademikersohn mit Migrationshintergrund und ­Vorstrafenregister tatsächlich den Albtraum des konservativen Teil dieses Landes. Vor unserem Treffen habe ich allerdings ganz unwillkürlich andere Zweifel: Werde ich den 23-Jährigen, der stets zwar höflich, aber auch sehr bestimmt wirkt und sich zuweilen in Rage reden kann, im nächsten Moment aber möglicherweise auch schwer aus der Reserve zu locken ist, knacken können? Zu meiner Erleichterung erscheint zum Interview ein entspannter und zum Plaudern aufgelegter PA Sports. Parham Vakili dreht sich erst mal einen standesgemäßen Haze-Joint, logisch, schließlich wollen wir uns über das vierte und bisher beste Album des Essener Rappers unter­halten. Es heißt, na klar, »H.A.Z.E.«.
 
Run The Jewels – The Main Ingredient
Killer Mike und El-P haben das Konsens-Album der aktuellen Spielzeit aufgenommen – zwei Ü-30 Rapper, die schon vor Jahrzehnten mit ihrer Dungeon-/Def Jux-Family das Verständnis von ­alternativem Rap auf ihre eigene Weise mitdefinierten; Grammy-prämierte Underground Kingz und Boiler Room-Gäste zugleich. Dass Jamie und Mike erst im hohen Alter als Odd Couple zueinander ­finden, verdanken sie einem gemeinsamen Freund beim Comedy-Netzwerk Adult Swim. El, der ­gerade »Cancer 4 Cure«, ein posttraumatisches Album, auf dem er den Tod seines besten ­Freundes verarbeitet, fertigstellt, findet in Mike einen geistesverwandten Studiopartner und Brudi fürs Leben. Im Stile eines klassischen Produzenten/MC-Duos entsteht 2012 das unterschätzte Album »R.A.P. ­Music«, auf dem El-Producto die düster-verzerrte Effektkulisse für Mikes politisches Manifest ­inszeniert. Ein ATLien landet auf Def Jux – für Zeitzeugen ein popkulturelles Großereignis.
 
Hiob & Morlockk Dilemma – Nach der Apokalypse ist vor der Apokalypse
Deutschland anno 2014: Die Arbeitslosigkeit sinkt auf ein Rekordtief, die Konjunktur wächst kräftig wie eh und je. Auch die Musikindustrie treibt derweil frische Blüten, lässt ganz Deutschrap fröhlich miteinander kuscheln und etabliert mal eben die Spielregeln von »Raop«. Krise überstanden? Beinahe würde man dem Schauspiel Glauben schenken, wären da nicht die zwei notorischen Nörgler, die uns schon vor vier Jahren mit einem gemeinsamen Langspieler die Apokalypse vor Augen führten. Nun, wo die beiden erkannt haben, dass wir fröhlich auf den nächsten Untergang zusteuern, ist es mal wieder an der Zeit, das Kind beim Namen zu nennen. »Kapitalismus Jetzt« ist vielleicht das letzte Stück Kapitalismuskritik für eine entideologisierte Jugend – freilich in gewohnt sarkastischer Attitüde. Ein guter Anlass für einen Hausbesuch bei Hiob & Morlockk Dilemma, die sich im bescheidenen Luxus der eigenen vier Wände den essenziellen Fragen zur Lage der Nation stellen, bevor bei einem Gläschen Schampus auf die letzten Tage in der großen Blase angestoßen wird.
 
Tua vs. The Beats – »Oh, eine 808!«
Man kommt nicht umhin, Tua einen Ausnahmekünstler zu schimpfen. Auch wenn »Grau« – das zweite Soloalbum des Reutlingers – den ökonomischen Durchbruch nie feiern durfte, stellte es doch eine Art Blaupause für die unverkrampfte Emotionalität in der deutschen Raplandschaft dar. Seiner Zeit allein musikalisch um Meilen voraus, waren auch die zwei anschließenden EPs. Mit nebelverhangenen Synth-Flächen, tiefen Basslines und melancholischen Bildern codierte der Chimperator seinen alltäglichen Kopffick und Liebeskummer. Da schließt nun auch die Nachfolge-EP »Stevia« an, die sich nicht vor gebrochenen Uptempo-Beats scheut und UK-Garage konsequenter zitiert, als Disclosure dazu jemals im Stande waren. Es gibt also allen Anlass, Tua nach knapp fünf Jahren auf ein zweites »Vs. The Beats« einzuladen und mit ihm über HipHops Tellerrand zu schauen. Dass wir ihn dabei im Studio erwischt und von der Arbeit an einem neuen Orsons-Release abgehalten haben, stört uns kein bisschen. Es gibt schließlich so wichtige Themen wie die Inflation der 808, den Modefimmel des britischen Maskenmanns Zomby, sowie die 1,50 m große, schwedische Version von Money Boy zu bereden. Ach ja, »die Jugend von heute« und ihre musikalische Sozialisation wurden nebenbei auch noch analysiert.
 
Rap in D 2014 – Die 10 meist erwarteten Alben 2014
Keine Frage, Deutschrap boomte 2013. Glücklicherweise sieht momentan alles danach aus, als könnte dieses Jahr noch spannender werden. Schließlich knallt es 2014 direkt zu Beginn mit »Zum Glück in die Zukunft II« bereits ordentlich. Ebenso spannend geht es weiter, zum Beispiel mit den bereits in dieser Ausgabe gefeatureten Kollegah und Bushido sowie RAF Camora und Chakuzas Gemeinschaftsprojekt. Zudem sind für den Rest des Jahres bereits jetzt so viele Hochkaräter lose angekündigt, dass die zehn verfügbaren Plätze natürlich nicht jedem Album gerecht werden können, dem JUICE gespannt entgegenblickt. Folgende Liste erhebt also keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, überblickt dafür aber in alle Richtungen offen das große Spektrum an Künstlern, die heute unter der HipHop-Fahne segeln.
 
Weitere Themen der Ausgabe:
Roc Marciano
Laas Unltd.
Bishop Nehru
Punch Arogunz
Azrael
Olexesh
Karate Andi
Miss Platnum
Isaiah Rashad
Roc Marciano
Marc Reis
SAM
Alexander Spit
Le1f
B.O.B.
Flo Mega
Toni der Assi
The Doppelgangaz
Young Fathers
 
Graffiti:
ÜF/Berlin Kidz
 
Kings Of HipHop
The Pharcyde
 
COVER JUICE #157
JUICE157
 
COVER JUICE-CD 122
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Illustration: GOLDEN GREEN
 
Tracklist JUICE-CD #122
01. Kollegah – Imperator (JUICE Exclusive)
02. Olexesh – Streetfighter II Turbo (JUICE Exclusive)
03. Laas Unltd. – Spitta
04. Marc Reis – Großvater
05. Der Plusmacher – Träume aus Staub
06. Omik K. – Joker
07. Musiye – Rockstar
08. 3Plusss – DNS (JUICE Exclusive)
09. Toni der Assi – Meduza Flow (DJ Def Cut JUICE Exclusive Remix)
10. Brockmaster B. feat. Tatwaffe, Mr. Schnabel, Franky Kubrick, Stupido, Iron Basic, Gsezhlos, Sucuk Ufuk, Big Derill Mack, Van Damme, Kralle, G Capella, I.G.O.R., Ayz Tiko, Stilix, Jifusi, African Soulja, PlaEtter Pi – Nicht mit uns
 
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