JUICE #147 ab dem 08.11. am Kiosk

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Der November 2012 markiert mal wieder ein rundes Jubiläum: JUICE wird 15! Unsere erste Ausgabe erschien im November 1997, das Cover zierte der damals 25-jährige Busta Rhymes, dessen zweites Soloalbum »When Disaster Strikes« gerade erschienen war. Wie der frühere Chefredakteur Chris Maruhn einmal in einem Interview erzählte, gab es in der Redaktion zu jener Zeit exakt einen PC mit Internetanschluss, die Autoren schickten ihre Texte noch auf Disketten ein, als Bildmaterial mussten oft von den Plattenfirmen per Post eingesandte Dia-Abzüge herhalten. In den letzten 15 Jahren haben sich nicht nur die technischen Möglichkeiten verändert und damit auch die Arbeitsweise der Redaktion. Genau wie sich HipHop immer wieder neu erfunden hat, musste sich auch JUICE permanenten Updates unterziehen, um relevant zu bleiben.

Was 1997 in München begann, ist am Ende eine Geschichte, wie sie fast nur HipHop schreiben kann: An der Theke konzipiert, wuchs JUICE zum größten und relevantesten Szene-Magazin Deutschlands, nein, Europas. Zwölf Jahre nach der Gründung zogen wir um: nach Berlin, in die Hauptstadt der Republik, die längst auch zum Szene- und Industrie-Mittelpunkt gemorpht war. Wir danken an dieser Stelle allen Mitarbeitern in Redaktion und Verlag, allen Autoren, Fotografen und Illustratoren und natürlich euch, unseren Lesern.

DIE THEMEN DER JUICE AUSGABE #147

Titel: Moses Pelham – Inside the mind of…
Fast 15 Jahre hat die Trilogie zur Vollendung gebraucht. »Geteiltes Leid I« erschien 1998, der zweite Teil folgte sechs Jahre später. Damals hat Moses Pelham in einem Interview scherzhaft versprochen, keine weiteren sechs Jahre für den abschließenden Teil zu brauchen. Es wurden acht. JUICE-Chefredakteur Stephan Szillus besuchte Moses Pelham in seiner Heimat und verbrachte mit der Frankfurter Legende einen Tag.

Kendrick Lamar – I got a story to tell
»I’m not the next pop star, I’m not the next socially aware rapper/I am a human motherfucking being over dope ass instrumentation/Kendrick Lamar.« Selbsterkenntnis führt zur Erleuchtung. Oder im besten Fall zu einer Lichtgestalt. Auf seinem letztjährigen Mixtape »Section.80« rappte Kendrick Lamar diese Zeilen mit der Inbrunst eines Kriegers, mit der Überzeugung eines weisen Mannes, mit den Mitteln eines echten Rappers. Im Medienkanon der Musikpostillen sieht man den 25-Jährigen aus Compton als Retter eines gesamten Genres – ob seines Talents, seiner Fähigkeiten, seiner Vision. Aber: Braucht HipHop überhaupt einen Retter? Braucht HipHop nicht nur endlich wieder ein Album, das man von vorne bis hinten hören kann, das einen durchgängig in den Bann zieht, das einfach nur gut ist? »good kid, m.A.A.d city« ist so ein Album. Dr. Dre weiß es, die ganze Westcoast weiß es, bald sollen es alle wissen.

French Montana – Shot Caller
HipHop kann sich verändern, wie er will. Eine Konstante bleibt: Das Publikum liebt eine gute Rags-to-riches-Story. From Marcy to Madison Square, vom Gefängniswärter zu #reichfürimmer, vom Bordstein bis zur Skyline – außer der Adresse ändert sich nichts. Karim Kharbouch verbrachte die ersten 13 Jahre seines Lebens in Casablanca, der größten Stadt Marokkos. Dann zog er mit seiner Familie in die South Bronx – man suchte ein besseres Leben und fand die harte Realität des sozialen Brennpunkts aus Sozialhilfe und Essensmarken. 15 Jahre später blickt der Junge aus TV-Geräten, wirft mit Dollars um sich und köpft öffentlichkeitswirksam Champagnerflaschen. Man kennt ihn als French Montana.

Fler – Style und das Geld
Es ist genau zehn Jahre her, dass »Carlo Cokxxx Nutten« erschien und neben Bushido einen jungen, blassen Berliner ins Rapgame einführte, der seine Zeit bis dato vor allem mit dem Bemalen von Wänden und Zügen verbracht hatte und seinen Frust und seine Wut nun in schroffen Zeilen der Welt mitteilte. Heute fliegt dieser blasse Junge nach New York, Miami und Paris, dreht Videos mit Boobas Haus- und Hof-Regisseur Chris Macari und widmet die erste Single aus seinem neuen Album »Hinter blauen Augen« einfach mal seiner weiblichen »Nummer Eins«. Zum Interview lädt Fler in sein neu erworbenes Loft im Berliner Süden und serviert Nespresso. Obwohl er erst seit gestern von einem längeren USA-Aufenthalt zurück ist, scheint er nicht groß unter Jetlag zu leiden. Beschwingt erzählt er von seinen Erlebnissen jenseits des großen Teiches, die bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben scheinen.

10 Jahre MPM – Worldwide Underground
Mit Gelassenheit, Soul und einer ganz besonderen Qualitätskontrolle hat sich MPM (Melting Pot Music) in zehn Jahren zu einer musikalischen Institution in der internationalen Beat- und Funk-Szene entwickelt. Das Kölner Liebhaber-Label ist das Lebenswerk von Olski, einem der ältesten noch einflussreichen Aktiven im deutschen HipHop. JUICE-Autor Carlos Steurer hat sich ausführlich mit Olski über MPM unterhalten.

Sean Price – Erwachsenensport
Es gibt eine Handvoll MCs, die über jeden Zweifel erhaben sind. Fragen der Glaubwürdigkeit und Authentizität können sie ebenso lässig wegbügeln wie Fragen danach, ob ihr Handwerk und dessen Interpretation noch zeitgemäß sei. Sie haben diesen Status der Unantastbarkeit erlangt, indem sie sich einer bestimmten Ästhetik verschrieben und diese höchstens minimal angepasst, jedoch nie verworfen oder komplett neu ausgerichtet haben; indem sie ihre Kunstform immer weiter perfektioniert und nie den Hunger verloren haben; indem sie geschmackssicher die richtigen Beats gepickt und die falschen Projekte aussortiert haben. Ghostface Killah ist so ein MC, Roc Marciano ebenfalls, Styles P könnte bei minimal besserem Musikgeschmack auch in die Kategorie fallen. Der Prototyp dieser Spezies ist allerdings Sean Price – General der Boot Camp Clik und inoffizieller Bürgermeister von Brooklyn.

Roc Marciano – Keine Raketenwissenschaft
Roc Marciano war nie ein Rapper – er hat für die Straßen gekämpft. Jedenfalls stand die Musik viele Jahre nicht im Mittelpunkt seines Lebens: Er ist ein waschechter Hustler, verkaufte früher Narkotika am Block und rappte sich ganz nebenbei in die Herzen der HipHop-Gemeinde. Nachdem er sich in Busta Rhymes’ Flipmode Squad seine ersten Sporen verdiente, gründete er 2001 mit drei befreundeten MCs die Crew The U.N., die auf Pete Rocks »Petestrumentals« glänzte und 2004 ein völlig untergegangenes Album namens »UN or U Out« veröffentlichte. Erst seit vier Jahren arbeitet er nachhaltig an seiner Solokarriere, nachdem der Rest seiner Crew das Mic frustriert an den Nagel hängte und nun wieder bürgerlichen Brotjobs nachgeht. Mit seinem Debüt »Marcberg« befriedigte Roc Marcy vor zwei Jahren vor allem jene Fraktion von HipHop-Fans, die den »Big Ghostface«-Blog nicht für Satire und »Cuban Linx« für das beste Album aller Zeiten hält. Mit »Reloaded« geht er den eingeschlagenen Weg konse- quent weiter: mit neuem Team und neuen Produzenten, aber immer noch derselben unbeugsamen Attitüde. JUICE-Korrespondent Alexander Richter traf den frischgebackenen Wahlkalifornier im Büro seines Labels Decon in Manhattan.

Schwesta Ewa – Keep it real
Nach ein paar Jahren in diesem Job ist so ein Interview keine große Sache mehr: Man trifft den zu interviewenden Künstler, unterhält sich eine Weile mit ihm und kehrt dann mit einem Arsch voll Schreibarbeit an den Rechner zurück – kein Grund zur Aufregung. Eigentlich. Denn hin und wieder steht dann doch ein Gesprächstermin an, der vorab die Nerven flattern und den inneren Fanboy am Rad drehen lässt. Heute hat sich Schwesta Ewa zum Redaktionsbesuch angekündigt. Genau, die von YouTube. Die rappende Prostituierte mit dem Rotlicht im Video. Und den finstersten Hater-Kommentaren des Spiels direkt drunter.

Trap – *2012 – †2012
Was ist eigentlich Trap? Der neue Dubstep? Das alte Dirty South? Der letzte Schrei? Der letzte Scheiß? Ein Trend? Ein Schimpfwort? Mehr als alles andere ist das transatlantische Nicht-Genre ein Lehrstück – über Hypes, Missverständnisse, das Internet und darüber, wie eine simple 808-Kick auch 30 Jahre nach »Planet Rock« noch die wichtigste Sache der Welt sein kann. Davide Bortot ermittelt.

Queer Rap – Ist kein Genre
»Alle MCs sind schwul in Deutschland.« Im HipHop-Vokabular, national wie international, existiert das Wort »schwul« nur als Schmähbegriff im Battle-Rap oder, schlimmer noch, verächtlich gespuckt in den Texten rappender Mormonen. Weder in Deutschland noch in Amerika hat es bis heute ein offen schwuler MC zu Erfolg gebracht. Die aktuelle Sau, die von den Medien durch das digitale Dorf getrieben wird, könnte das ändern: Musiker wie Mykki Blanco, Cakes Da Killa, Zebra Katz und Le1f wurden dazu auserkoren, ein neues, hippes Subgenre namens »Queer Rap« in die Öffentlichkeit zu tragen. Jeder von ihnen ist aber auch als alleinstehende Kunstfigur interessant genug, um Hoffnungen zu wecken. Die entscheidenden Fragen aber sind: Ist HipHop bereit für einen homosexuellen Superstar? Und ist es nicht eigentlich genauso fragwürdig, dass wir im Zusammenhang mit diesen Künstlern zuerst ihre sexuellen Vorlieben nennen?

Kings of HipHop: Cam’ron – Groove Music
Kommt ein Rapper im Arbeiteroverall in den Laden und sagt: »Ich hätte gerne ein rosa T-Shirt und 15 Hermelinmäntel in lila.« Sagt der Verkäufer: »Ach so, Sie wollen der coolste Typ in ganz Harlem und damit der ganzen Welt werden? Kein Problem.« Sagt der Rapper: »Gut. Aber bitte schnell, denn draußen warten mein Ferrari und circa 357 Weiber.« Die Pointe? Gibt’s nicht. Außer dass das alles genau so passiert ist. Oder zumindest so ähnlich. Denn der Witz ist kein Witz, sondern die Geschichte von Cameron Giles. Koksdealer, Komödiant, Kultführer, Rapgott. Wollen wir doch mal sehen, wer zuletzt lacht.

Darüber hinaus findet ihr in dieser Ausgabe u.a. Features und Interviews mit:
Tech N9ne
Seeed
Jay-Z
Herr Sorge
Dexter
The Weeknd
DJ Drama
Tramp Records
P.O.S.
Raekwon
KC Da Rookee
Madsen
Angel Haze
SAM
Haleek Maul
Bonez MC
Hopsin
Jneiro Jarel
DJ P.F. Cuttin
uvm.

Tracklist JUICE-CD #114

01 Moses Pelham »Hooo« (prod. von: Moses Pelham & Martin Haas)
02 Celo & Abdi »Über Wasser halten (Figur Brazlevič Remix)« (prod. von: Figub Brazlevič)
03 DJ Drama feat. Rick Ross, Miguel, Pusha T & Curren$y »Clouds« (prod. von: V2 the Hitman)
04 Roc Marciano feat. Ka »Nine Spray« (prod. von: Ray West)
05 Bonez MC »16 Bars« JUICE Exclusive (prod. von: Costa Titan)
06 KC Da Rookee »Welcome Home« (prod. von: Raw Uncut)
07 Craig G feat. Styles P »Heaven And Hell (JR & PH7 Remix)« JUICE Exclusive (prod. von: JR & PH7)
08 Madsen »Generation im Arsch (Zukunft RMX Marsimoto Cru feat. Marsimoto)« JUICE Exclusive (prod. von: Madsen)
09 SAM »Was ist angesagt?« JUICE Exclusive (prod. von: Psaiko.Dino)
10 Maxat »Du = ich« JUICE Exclusive (prod. von: SuiGeneris Production)
11 DJ Adlib feat. Frank Nitt »Bang It Out (James Pants Remix)« JUICE Exclusive (prod. von: DJ Adlib)
12 DJ P.F. Cuttin »Danger! N.Y. Anthems Master Mix« JUICE Exclusive (prod. von: DJ P.F. Cuttin)

Cover JUICE-CD #114

Die JUICE-Ausgabe #147 (November/Dezember 2012) ist ab dem 08.11. bundesweit für 5,00 EUR inklusive JUICE-CD #114 im Zeitschriftenhandel erhältlich.

Cover JUICE #147

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