J-Swift [Aus: The Pharcyde – Kings Of HipHop]

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Pharcyde
 
J-Swift – 1 More Hit
 
Kurz nach der Trennung von The Pharcyde kann J-Swift einen hochdotierten Deal mit Tommy Boy Records für seine Produktionsfirma Fat House sichern, nachdem er eine Zusammenarbeit mit Rick Rubin ablehnt. 1994 erscheinen auf diesem Weg Singles von den Jazzyfatnastees (bei denen auch seine Schwester Mercedes singt) und dem bereits erwähnten Lieblingsticker (»Quinton’s Here«), bevor Tommy Boy den Vertrag wieder auflöst. Eine Doppel-CD von The Wascals, in den Jahren ’93 und ’94 von J-Swift produziert, erscheint erst 2007 über Delicious Vinyl, nach Remixen für Prince und Massive Attack verschwindet er fast komplett von der Bildfläche. Er gerät in massive Schwierigkeiten mit Dealern, Gangstern und sich selbst, kommt Ende der Neunziger deprimiert von Gras über Kokain zu Crack.
 
Den folgenden, endlosen Kampf gegen die Abhängigkeit dokumentiert »1 More Hit«, ein Film von Shauna Garr, der ursprünglich als handliches Reality-Fernsehformat über Sucht, Läuterung und Entzug geplant war, an der Unberechenbarkeit der Hauptfigur aber beinahe scheiterte. Hier erlebt man einen obdachlosen J-Swift, der um die Anerkennung seiner Mutter, seiner Söhne und seiner Exfrau kämpft, andererseits aber seit Jahren seine On-Off-Freundin auf den Strich schickt, um die Sucht zu finanzieren. J besucht und verlässt Entzugsprogramme, klingelt pleite an Mike Ross‘ Haustür, er blüht in Sekundenbruchteilen auf, wenn er ein Studio betritt, verschwindet dann aber wieder monatelang und steht schließlich als gebürtiger Spanier kurz vor der Abschiebung. Die zerrüttende Berg- und Talfahrt erfasst sieben Jahre im Leben eines charismatischen Mannes, den man zu den größten Produzenten im Game zählen könnte, wenn die Drogen nicht stärker gewesen wären.
 

 
»1 More Hit« ist auf DVD erschienen und über 1morehitthemovie.com zu beziehen. Das Album »The Adventures of Negro Knievel«, auf dem J-Swift auch rappt, wird seit 2006 vergeblich angekündigt. Unter den wenigen bislang veröffentlichten Songs ist die hörenswerte Beichte »Off My Chest« – J-Swift soll heute clean sein.
 
Text: Ralf Theil