Gzuz & Bonez MC – High & Hungrig 2 // Review

High & Hungrig 2

(Auf!Keinen!Fall! / Chapter One / Universal Music)

 

Bisschen genial ist ja, wie Gzuz und Bonez dieses Album beginnen: Endlich ist der Traum vom CL wahr geworden – aber das Ding schluckt so viel Benzin, dass ne neue Platte her muss. Patentrezept: »Wieder dasselbe rappen.« Das ist im Falle der 187 Strassenbande zum Glück nicht das Schlechteste, haben sie doch die brachialsten Beats im Game – im Gegensatz zu Hochglanzbrechern von zum Beispiel Farhot und Bazzazian weiterhin mit asozial-dreckigem Underground-Flavour – und mit Gzuz & Bonez zwei unfassbar drückende Stimmen, wegen derer man sich ursprünglich mal in die Strassenbande verschossen hat. Ansonsten erzählt man die alte Geschichte von Schnapp, Weed, Wackelärschen und Chromfelgen, nur eben so effektiv verpackt wie bei keinem anderen Straßenrap-­Verein. Und ganz ehrlich: Was wünscht man sich als 187-Fan (ja, auch der Schreiber dieser Review) denn bitte mehr, als dass den beiden schweren Geschützen der Familie mit ihrem zweiten gemeinsamen Album endlich dieser eine karrieredefinierende Moment gelingt: das perfekte Album, ganz ohne Längen, ohne ­überflüssige Songs und mit Hits für den großen Gangstarap-Kanon. Bislang gelang dies am besten LX & Maxwell, deren »Obststand« in der Rückschau so rund war, dass man es zu deutschen ­Gangsta­rap-Neuzeit-Klassikern wie »Russisch Roulette« einreihen will. Auch Gzuz’ heiß erwartetes »Ebbe & Flut« hatte mit seinen Wahnsinns-Singles und einem unfickbaren Albumbeginn das Zeug zum Instant Classic, wäre es nicht gegen Ende leicht abgefallen. Deshalb ist auch die wichtigste zu beantwortende Frage dieser Rezension diese hier: Wie gut ist die zweite Hälfte von »High & Hungrig 2«? Glücklicherweise recht gut. Insbesondere »Das Gefühl« und »Wiederbelebt« bieten besten Breitwand-Sound fürs Brettern durch die Großstadt, während »Rum Cola« sowie »Blättchen & Ganja« gekonnt in Dancehall-­Gefilden wildern. Die allerbesten Songs ­stecken dennoch wieder in Hälfte eins: »Optimal« gewinnt dank hypnotischem Beat und ­gewohnt aberwitziger LX-­Strophe. Auch ­»Hauptsache Laut« mit Hanybal ist der Wahnsinn. Obwohl man das Gefühl hat, das alles schon mal gehört zu haben, zündet dieses Album in den richtigen Momenten gnadenlos gut. Drei, vier Songs weniger, und beim nächsten Mal ist es soweit.