Gucci Mane & Metro Boomin – DropTopWop // Review

(Atlantic / Warner Music)

Viele staunten nicht schlecht, als East-Atlanta-Santa Gucci Mane La Flare im Mai 2016 das Bundesgefängnis in Terre Haute, Indiana, verließ. Mit einem charmant breiten Grinsen und kaum zugeknöpftem Seidenhemd schien der kultige Gucci-Belly und das damit verbundene Image passé. Radric Davis hat seine zweite Chance erkannt und nimmt sie seitdem sehr ernst. Bereits acht Projekte konnte er veröffentlichen, wirkt fitter und fokussierter als je zuvor. Auch die Qualität seiner Musik hat sich dadurch verbessert. Weg von den rein auf Streaming-Zahlen ausgelegten 20-plus-x-Track-langen Non­sens-Tapes, hin zur substanziellen, EP-artigen Kohärenz. 2017: Metro Boomin ist der neue Zaytoven und erinnert auf den kaum zehn Tracks erneut daran, warum er während Guwops Inhaftierung dazu wurde. Hypnotische Synth-Läufe, 8-Bit-Loops aus der Spielkonsole und eine manische Spieluhrenästhetik, die wie auf den Leib geschnitten passt. Anders als das an Clipse’ »Lord Willin’« angelehnte Cover suggerieren möchte, skizziert Gucci darauf ein durchweg düsteres Bild: Orientierungslosig­keit während und nach der Haft, Gewissensbisse wegen des Handelns mit ­Betäubungsmitteln innerhalb der Familie sowie expliziter Gewaltdarstellungen. Anders als zuvor jedoch tut er gut daran, sich dabei auf das Wesent­liche zu konzentrieren. Gucci ist nach wie vor nicht der versierteste Lyriker, scheint Konzepte nun aber konsequenter durchdeklinieren zu können. Hier entsteht möglicherweise eine neue kleine Erfolgsstory der Selbstfindung.