Griot – miCH

 

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(Shotta Music/Nation Biztribution)

 

In der Eidgenossenschaft sorgt Bligg mit einer Mischung aus Pop, Rap und Volksmusik momentan für Platin-Auszeichnungen und begeisterte Hausfrauen. Das Traditionelle scheint wieder angesagt zu sein. Wenn der für Straßenrap bekannte Griot in Willhelm-Tell-Pose auf dem mit Kantonswappen verzierten Cover erscheint, erweckt das den Eindruck, als wolle er auf einen fahrenden Zug aufspringen. Alphörner und Handorgeln braucht man natürlich nicht zu befürchten. Lieber pickt er bei DJ Katch, Crada, Brisk Fingaz oder Biggmow melancholisch angehauchte oder energisch stampfende Beats. Die Schweiz spielt trotz des Albumtitels, der für “Mi Schwiz” (Meine Schweiz) steht, nur eine untergeordnete Rolle. Auf “Helvetia” stellt er die Beziehung zu seiner Heimat als Liebesgeschichte voller Höhen und Tiefen dar, während der Titeltrack eher ein Aufrollen seiner persönlichen Geschichte ist. Allgemein schlägt der Basler überraschend viele persönliche und introvertierte Töne an und selbst einer Hustler-Hymne kann er noch einige kritische Zeilen entlocken. Eindrucksvoll ist “50 Täkt”, wo er ehrlich und leicht verbittert über den Verlauf seiner Karriere sinniert und feststellen muss, dass die eigenen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Sein Fazit: Schlägt dieses Album nicht ein, wird es sein letztes sein. Was ihn aber nicht davon abhält, ignorante Ansagen zu spucken wie auf dem selbsterklärenden “King”. Wenn er das Album aber mit “Mi letschts Lied” beschließt und darauf seine Karriere Revue passieren lässt, scheint es, als ob er selbst nicht an den erhofften Erfolg glaubt. Somit ist “miCH” ein Album mit vielen Kontroversen, einer gewissen ästhetischen und inhaltlichen Konzeptlosigkeit, aber auch mit durchaus starken Momenten. Ob man von Griot noch mal etwas zu hören bekommen wird, liegt nun offenbar in der Hand des Konsumenten.

 

Text: Fabian Merlo