Farid Bang – Asphalt Massaka 2

 

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(German Dream/313 JWP/Sony)

 

Farid Bang. Das ist einer, der dir und deinen Freunden früher auf der Dorfkirmes das Taschengeld abgezogen hätte. Einer, wegen dem man im Bus nicht ganz hinten sitzen durfte. Einer, der dabei aber aufgrund seiner Schlitzohrigkeit dennoch so unfassbar sympathisch war, dass man ihm trotz aller Flausen gar nicht so richtig böse sein konnte. Genau dieses Konglomerat aus Dreistigkeit, Wortwitz und Maghreb-Charme durchzieht “Asphalt Massaka 2” vom ersten bis zum letzten Track und macht es mit Ausnahme der Derendorfer Hoodtales “Vom Tellerwäscher zum Millionär” und “Schwer ein Mann zu sein” zu einer durchweg spaßigen Angelegenheit. Soll heißen: mehr Shisha-Café als Splash!-Cypherei, mehr Novoline als Hacky-Sack, mehr Undercut als New Era. Wer glaubte, dass Gesangskorrektur-Software keiner Ausreizung mehr bedarf, wird mit dem Autoscooter-Rave “Es ist soweit” inklusive einem gut aufgelegten Summer Cem eines Besseren belehrt. Der Letztgenannte weiß übrigens auch auf der “CCN”-Adaption “Stress ohne Grund” zu überzeugen. Und wo wir schon bei Features sind: “Ey Yo” mit Kollegah erreicht zwar leider nicht ganz “Jung, brutal, gutaussehend”-Niveau, dafür packen Bass Sultan Hengzt und Farid auf “Gangsta Musik” eine Reihe an interessanten Flow- und Beleidigungsvariationen aus und die brachiale Bassbatterie auf “Goodfella” wird dann von Farid höchstselbst im Alleingang zerlegt. Das Outro “Noch einmal” legt dann zum Ende überraschend und beeindruckend all die Machismo-Manie für einen Augenblick beiseite. Gut, die gebetsmühlenartig betont “sportlichen” Disses gegen einen ausgewählten Kreis von Rapkandidaten werden auf die Dauer etwas ermüdend. Und auch, wenn nicht jeder mit Vortragsweise und Vergleichen von Farid Bang d’accord sein wird und sich hier Track für Track ein Lapsus Linguae (vgl. “Klick Klick Boom” mit Capkekz und Al-Gear) an den anderen reiht, ist “Asphalt Massaka 2” das Zeugnis einer eindrucksvollen Weiterentwicklung von jemandem, der es ernst mit dem Rappen meint, sich auf den Hosenboden seiner Picaldi gesetzt, die La Martina-Hemdsärmel über die Anabol-gestärkten Arme gekrempelt und seine Hausaufgaben gemacht hat. Von daher: mit Einschränkungen eindrucksvoll.

 

Text: Jan Wehn