Eloquent & Twit One – Folie á deux // Review

(Sichtexot)

Hinter dem Begriff »Folie á deux« verbirgt sich die »induzierte wahnhafte Störung«, eine psychiatrische Erkrankung, die dafür sorgt, dass eigentlich gesunde Partner von Menschen mit Wahnvorstellungen deren Symptome übernehmen. Beim Wahn wiederum handelt es sich um eine Art Realitätsverlust, eine mit der objektiven Wirklichkeit nicht zu vereinbarende Überzeugung. Die Überzeu­gung von Eloquent offenbart sich relativ schnell, da sich der Inhalt dieses Albums auf genau eine Aussage herunterbrechen lässt: Mein Camp ist dope, alle anderen sind wack. Nun könnte man annehmen, dass sich Eloquent aufgrund des Albumtitels seines Wahns bewusst ist und weiß, dass diese Behauptung natürlich nicht der Realität entsprechen kann – in den 14 Tracks kommt dies jedoch nicht rüber. Auf den Sample-Manifesten des Kölners Twit One beleidigt der Wiesbadener Rapper ima­ginäre Wack-MCs mit einer Ernsthaftigkeit und einer Ausdauer, als wäre es 1997. Nicht unwahrscheinlich, dass man »Folie á deux« dem einen oder anderen Boombap-Feti­schisten als Nachpressung eines jahrelang vergriffenen Nuggets auftischen könnte. Wer rechnet heute noch mit einem »der Sound ist dicker als Big Pun«-Vergleich? Eben. Dabei ist »Folie á deux« beileibe kein schlechtes Album. Schließlich hat man mit Eloquent keinen random »Rap am Mittwoch«-Teilnehmer vor sich, sondern einen, der etwas vom eloquenten Battlen versteht. Einen, bei dem die Tiefschläge im Takt sitzen. Auch Twit One wird hier einmal mehr zu Recht Lob für seine unaufgeregten, aber umso pointierteren Produktionen einheimsen. Nur neue Freunde, die will man mit dieser Kollaboration offenbar nicht dazu gewinnen. Stattdessen konzentriert man sich mit der auf tausend Stück limitierten Auflage auf das Kerngeschäft, sprich: die erweiterte Familie rund um das sympathische Sichtexot-Camp. Für alle anderen Zeitgenossen lässt sich mit »Folie á deux« immerhin noch ein auf Vinyl gepresster Realitätsverlust einleiten.

Text: Patrick Lublow