»Don’t Call It Road Rap«: Noisey-Doku über Straßenrap made in the UK // Video

Ging es um Rap aus dem Vereinigten Königreich, wurde in den letzten Jahren wieder und wieder vom großen Grime-Revival gesprochen. Schuld war natürlich auch Drake, weil er sich als großer Fan der Kultur outete, sogar symbolisch beim legendären Boy Better Know-Kollektiv einen Deal unterschrieb und u.a. Tracks mit Skepta aufnahm. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf: Viele der UK-Artists, mit denen sich Drake seit gut zwei Jahren umgibt, sind nicht dem Grime zuzuordnen. Die Section Boyz und Giggs, der gleich auf zwei »More Life«-Tracks auftaucht, orientieren sich mit ihrem Sound eher am Chicagoer Drill und den Trap-Klängen aus Atlanta denn am auf der Insel kultivierten Garage-Ableger.

Das stümperhaft »Road Rap« getaufte Genre erfreut sich aktuell, zumindest nach Vergleich der Youtube-Aufrufe, genau so großer Beliebtheit wie der große Bruder Grime. Diesem Umstand trägt nun eine von The Streets-Frontmann Mike Skinner moderierte Doku der Kollegen von Noisey Rechnung. Skinner interviewte während der über ein Jahr andauernden Dreharbeiten verschiedene Crews, die sich dem Road Rap verschrieben haben – beispielsweise das 67-Kollektiv aus Brixton Hill, C Biz aus Kilburn oder die bereits genannten Section Boyz aus Thornton Heath. Der Film schafft dabei, ein in der Grime-Szene bestens bekanntes Problem zu beleuchten, mit dem nun auch viele Straßenrapper zu kämpfen haben: die Form 696, ein Formular, mit dem die Londoner Polizei die Risikolage bei Konzerten und sonstigen Events einstuft. Aufgrund des angeblich zu hohen Sicherheitsrisikos werden dabei immer wieder Rap- und Grime-Shows abgesagt. In Zeiten, in denen das Live-Geschäft für viele Berufsmusiker zur wichtigsten Einnahmequelle geworden ist, fast ein verfrühtes Todesurteil für viele aufstrebende Karrieren. Auch deswegen führen unerfolgreiche Ausflüge ins Rap-Business schnell wieder zurück zum illegalen Broterwerb.