Donnie Trumpet & The Social Experiment – Surf

Donnie_Trumpet_cover
 
Man kann »Surf« auf verschiedenen Ebenen feiern: als homogenes Produzentenalbum, das die typischen Fehler eines Produzentenalbums vermeidet; als mondänes Neo-Soul-Album für den Sommer im Park; oder als Kollektivprojekt um Chance The Rappers und Nico Segals Band Social Experiment, mit dessen Feature-Aufgebot alleine sich schon eine gesamte Deutschrap-Promophase füllen ließe: Major-Player wie B.o.B. machen hier Sachen mit Busta Rhymes und Janelle Monáe. Big Sean und Jeremih begehen einen Gottesdienst und schwören dem Materialismus ab. Slam-Poeten (Ady Suleiman) und Prince-Kollaborateurinnen (Eryn Allen Kane) treffen auf Stones-Throw-Funk-Revanchisten (The Stepkids). Chiraqs Drill-Kommandeur King Louie turnt auf Autotune-Soul und Eso-Queen Erykah Badu segnet das Hippie-Sit-In mit ihrer Unantasbarkeit. Und immer wieder die freigeistige Exzellenz von Chance The Rapper, der zwar extra nicht in den Credits genannt wird, aber zahlreiche Show-stehlende Auftritte hinlegt und als Host von »Surf« auftritt. Ingesamt 57 (!) Künstler sollen an dem Kommunenmanifest beteiligt gewesen sein, das sich so anhört, als hätten sie die beste Zeit ihres Lebens beim Aufnehmen gehabt. Wer hat solche Feature-Kombos und dabei noch einen tragenden musikalischen Faden? Mal verzerrt durchs Echo gejagt, mal der Rhythmusgruppe unterordnend, drängen sich Nicos Bläserarrangements und die Live-Instrumentierung als tragende Säulen des Gesamtwerks auf. Im Stile von »Yeezus« und »To Pimp A Butterfly« verderben die vielen Köche nicht etwa den Brei, sondern verdichten ihn zu etwas ganz Großem: einem, ja, jazzigen Kunstprojekt mit Rückgrat – conscious und doch edgy genug, um nicht als Müsli durchzugehen. Echte Musik ohne Crossover-Effekt, die alle Milieus der Chicagoer Rap-Generation mit einbezieht, ihr ein Denkmal setzt. Ein ermutigendes, gemeinschaftliches und musikalisches Peace-Zeichen in Zeiten von Gang-Gewalt und Drill-Abfahrten und ein großartiges Mixtape obendrein.