DJ Esco & Future – Project E.T. (Esco Terrestrial) // Review

Future Esco Cover klein

(livemixtapes.com)

Einer der Twitter-Toptrends war im vergangenen Jahr der #BeyHive: eine Massenhysterie auslösende Internetüberspitzung rund um die Glorifizierung des derzeitig wohl größten weiblichen Musikstars. Und wenn es in Sachen Online-Euphoriewellen so etwas wie ein männliches Pendant zu Mrs. Knowles-Carter gab, dann war es Atlantas Autotune-Aficionado Future mit seinem #FutureHive. »Broken Hearted Girl« und »Codeine Crazy«, »Single Ladies« und »March Madness« – während Queen Bey Kraft durch Unabhängigkeit predigt, gibt Mr. Hendrix die Syrup-geölte Straßenschulter auf Trap-Balladen.
 
Dabei könnten die Mittel zum Zweck wahrscheinlich nicht verschiedener sein: Anstelle einer bedachtsamen Popinszenierung füttert Future den Hive mit Banger um Banger und hält die Gefolgschaft schlicht mit musikalischem Output am Haken. Der konstante Output geht sogar so weit, dass das Jahr 2016 mit den nun drei veröffentlichten Projekten geradezu spärlich wirkt für Future’sche Verhältnisse. Streng genommen ist auch das »Project E.T.«-Mixtape nun kein Future-Release, sondern eines von Tour-DJ und Produzent Esco, der gleichzeitig engster Vertrauter des Autotune-Heroen ist. Future wiederum tritt als Host auf 13 von 16 Track auf, während eine kleine All-Star-Garde um Drake, 2 Chainz, Juicy J und Rae Sremmurd dem drohenden Nuschel-Monoton vorbeugt.
 
Ignorante Straßenhymnen sind mit »Check On Me«, »Right Now« und »My Blower« wie gewohnt vertreten. Sogar der befürchtete Atlanta-Beef zwischen Future und Young Thug wird auf dem gemeinsamen »Who« beerdigt. Allgemein wirft sich jedoch die Frage auf, ob der zyklische Projektnachschub auf längere Sicht eher zum Overkill beiträgt als zur Stimulation. Im Vergleich zu seiner Hive-Gesellin fügt Future nicht mit jedem Output neue Farben zu seinem Trap-Feuerwerk hinzu. Immerhin zeigt er mit der zwingenden Dungeon-Family-Hommage »Married To The Game« auf »Project E.T.« aber den Willen, dann und wann auch außerhalb des Strip Clubs mal wieder Gehör zu finden.