Denzel Curry – 13 // Review

(soundcloud.com/denzelcurryph)

Nerd-Referenz hin, ­Studienabbruch her: Denzel Curry ist kein Mr. Nice Guy. Dafür sind die ­eigenen Dämonen immer noch zu mächtig, das Leben als Schwarzer im ­Donald-Trump-Amerika zu gefährlich und diese verdammten Internetrambos einfach zu frech. Das lyrische Blutvergießen auf furchterregenden Störgeräusch-­Synthies, Industrial-Samples und Distortion-Drums geht auf »13«, jene Blitzkriegattacke aus Leftovers und Songskizzen mit Beat-Buddys wie FNZ, Vae Cortez oder Eric Dinggus, also nicht nur weiter, sondern erklimmt die nächste Stufe. Currys Cyperpunk-Look aus »32 Zel/Planet Shrooms«-Tagen entwickelte sich ja schon auf dem kaltschnäuzigen »Imperial«-Debüt immer mehr zu einer dystopischen ­Rap-Miliz, doch als Kind der N64-Ära vervielfältigt man nun hier Songs im Demo-Rohschnitt aus dem digitalen Proberaum mit Fixpunkten zwischen Death-Grips-Freakness und Three-Six-Auftragsmord. Immer noch hagelt es bedrohlich-kriegerische Anime- und Gamer-Referenzen, doch UL brunftet mittlerweile eine derart rabiate Power-Performance in die Membrane, dass man auf dem kommenden Album »Taboo« – zu dem »13« eine Überleitung darstellt – eher mit einem Mike Muir- als einem Andre 3K-Feature rechnen möchte. 13 ungeschliffene Weltschmerzminuten voller Poltergeist-Rap eines ehemaligen Spielkindes mit »Chuckie, die Mörderpuppe«-Affinität, das sich allmählich auf der dunklen Seite der Macht zurechtfindet. In diesem Sinne ist »13« wie eine Geisterbahn auf dem Rummel: viel zu unvorhersehbar, verstörend und zu kurz.

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