DCVDNS: »Oder sollte ich besser sagen: Der letzte tighte N-Wort?« // Interview

Den roten Pullunder von Lacoste hat er lange nicht mehr getragen. Stattdessen representet Dominic Christoph von der Nordsee mittlerweile im Rosa Bademantel und einer Sonnenbrille mit drei Gläsern (um das dritte Auge zu verdecken), während er sich in der eigenen Herrlichkeit sonnt und sich dabei von den Mitgliedern seines Kults begrabbeln lässt. Kurzum: Der Mann hat’s geschafft. Fürs Telefoninterview anlässlich seines Majordebüts »Der erste ­tighte Wei$$e« meldet sich dann auch der Mann hinter der Kunstfigur, der später das ­ganze Interview nochmal umschreiben wird – was Kunst ist, muss künstlich bleiben.

Für mich ist »Der erste tighte Wei$$e« ein sehr stringentes ­Album, das am besten funktioniert, wenn man es als Ganzes hört. War es dir wichtig, ein Album mit eher schmaler Tracklist zu machen?

Ein Album ist bei mir nicht fertig, sobald ich 16 Tracks aufgenommen habe, sondern sobald ich auf den Stil der Platte keine Lust mehr habe. Wenn es anfängt mich zu langweilen, schließ ich damit ab und mach wieder etwas Neues. Es hat nichts mit Kunst zu tun, zwanzigmal den gleichen Song auf einer Platte zu haben. Außerdem sollen die Leute ruhig wissen, dass meine Songs mehr wert sind als die der Anderen.

Warum war es die letzten Jahre so still um dich?

Die meisten Tracks auf dem Album sind 2015 entstanden und eigentlich hab ich die Platte ja für 2016 angekündigt. Doch als letztes Jahr Prince gestorben ist, war es für mich eine Frage der Ehre, in diesem Jahr kein Album rauszubringen. Sein Tod ist auch der Grund, weshalb ich seine Third-Eye-Brille auf dem Cover trage.

Mit Tamas und Genetikk hast du zwei nicht gerade überraschende Feature-Gäste auf deinem Album. Warum?

Hör dir die Parts an, dann weißt du, warum. Die Features auf dieser Platte sind auf natürlichem Wege zusammen im Studio entstanden. Bevor mein iPhone ins Wasser gefallen ist und alle Nummern weg waren, hab ich noch versucht, Audio88 anzurufen, um »Brille Teil 2« mit ihm zu aufzunehmen. Doch der ging nicht ran – und hat bis heute nicht zurückgerufen.

Wie würdest du denn den Stil dieses Albums beschreiben?

Moderne Beats mit Flows wie aus den Neunzigern; ein Album, das versucht, seinem Titel gerecht zu werden; ein Titel, der offensichtlich an Taktlo$$ aka den letzten tighten Nigga angelehnt ist: Oder sollte ich besser sagen: Der letzte tighte N-Wort?

Da deine erste Single »Neuer alter Savas« nicht nur nach ihm benannt, sondern auch mit Savas-Referenzen vollgepackt ist und der Albumtitel natürlich auf einen der Alias-Namen von Taktlo$$ anspielt: Ist »Der erste tighte Wei$$e« auch eine Art Tribut an Westberlin Maskulin?

Kool Savas und Taktlo$$ gehören für mich zusammen. Ich wollte mich mit diesem Track nicht über Savas stellen. Ich gebe einfach nur Props für das, was er damals alles richtig gemacht hat. Und selbst wenn ich tausendmal besser rappen würde als Savas, würde ich das niemals behaupten – dasselbe gilt für Taktlo$$. Denn die beiden sind das, was alle für Aggro Berlin halten.

Hast du also auch wegen Taktlo$$ und Savas angefangen zu rappen?

Nein. Angefangen zu rappen habe ich wegen meinem Namen. Ich fand den so gut, wusste aber, nicht was ich sonst damit machen sollte.

Die Karrieren der beiden haben sich nach ihren gemeinsamen Anfängen ja sehr unterschiedlich entwickelt. Soll die Karriere von DCVDNS sich in den ­nächsten zehn Jahren eher so ent­wickeln wie die von Taktlo$$ oder wie die von Kool Savas?

Wenn Taktlo$$ nach seinem letzten Konzert nicht wieder das erste Konzert gemacht hätte, dann würde ich auf jeden Fall sagen: wie die Karriere von Taktlo$$. Denn ich will in den nächsten zehn Jahren auch aufhören.

Hörst du denn selbst immer noch gerne ganze Alben? Der Trend entwickelt sich ja mehr und mehr dahin, dass die Leute die Singles auf Spotify hören und alles andere ein bisschen untergeht.

Ich bin mit dem Album eines anderen Künstlers schon zufrieden, wenn nur ein einziger Track drauf, ist der mir gefällt. Ich hör das Album dann rauf und runter, nur wegen diesem einen Track.

Du hast jetzt bald vier Alben veröffentlicht (eins davon zusammen mit den Inglebirds) – bist du zufrieden damit, welchen Status du dir innerhalb der HipHop-Szene bisher erarbeitet hast?

Die Besten werden unterschätzt, weil sie zum überschätzen keinen Platz lassen. Das ist mein Schicksal. Aber ich habe mit der HipHop-Szene eh nicht so viel zu tun, weil ich mit Schwanzlutschern nicht so gut klarkomme.

Könntest du dir denn vorstellen, ­irgendwann einen ganz anderen Job zu machen?

Um Fußballer zu werden, ist es jetzt leider zu spät. Aber Golfprofi müsste noch hinhauen.

Foto: Sascha »HEKS« Haubold

Dieses Interview erschien in JUICE #181