Dat Adam – Hydra 3D // Review

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(Hydra Music / Groove Attack)

»Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Misserfolgs«, soll Oscar Wilde gesagt haben. Und wenn man einem Debüt wie »Hydra 3D« von Dat Adam etwas nicht absprechen kann, sind es seine Ambitionen. In ehrbarer DIY-Mentalität haben die Youtuber-turned-Rapper Taddl und Ardy sowie ihr musikalischer Bauleiter Marley hier zeitgeistliche Weltraummusik aus syntheti­schem Experimentiergeist und repetitivem Pop-Appeal im selbstgebauten Studio konzipiert (und obendrein ein eigenes Label gegründet) – sich also zig Realnesspunkte verdient. Schon im ersten Durchgang besticht, auch diese Lorbeeren sind objektiv auszuschütten, die ausgeklügelte Musikalität der 15 Songs. Mit nachtwandlerischen Tunnelblick-Pads, träumerischem Glockenspielgeklimper und bratzigen Alien-Arrangements bemühen sie sich eifrig, Eigenständigkeit und Modernität zu entwickeln. Unterdessen verfleischwolfen Ardy und Taddl ihre Rap-Gedankenstränge nach 2016-Formel natürlich mit Auto-Tune, wissen, wie man den Takt trifft und einen Doppelreim baut. Man merkt: Die Ausgangslage für Newcomer war schon schlechter. Doch der Teufel liegt im Detail. Denn Dat Adam wollen politisch sein: »Hört auf euch zu belügen, dass der Lifestyle so nice ist/Ihr lebt in einem Käfig wie die Schweine bei Tyson«. So scheint vor allem Taddl auf aufklärerischer Mission zu sein, beachtet man das A-cappella-Pamphlet »Lennon 1«. Problematisch an diesem ehrgeizigen Vorhaben ist aber: alles. Mit fortschreitender Tracklist stapeln sich blauäugige, persiflierende Denglisch-Phrasen (»Bin die letzte Zeit so confused/Ey, was soll ich nur tun?«), die auch noch durch teils stümperhafte Delivery und künstlerisch gemeinten Distortion-Effekt in die Unverständlichkeit gedreht werden. »Bleib’ auf der eigenen Mission/Von ihren abgefuckten Normen möchte ich einfach nichts wissen«, kommentiert Ardy das Prozedere in unfreiwilliger Komik. Zugänglichkeit geht anders. »Hydra 3D« ist am Ende das Release dreier Musterschüler, die die Coolness-To-Do-Liste fleißig abgearbeitet und dabei vergessen haben, was Coolness eigentlich ausmacht: Cool bleiben.

Text: Fionn Birr