Cyroe feat. Mickey Factz – One Way (prod. by Cyroe) // JUICE Premiere

cyroe

Nürnberg ist keine Deutschrapmetropole, Franken kein Ballungsraum der HipHop-Innovatoren, soviel ist sicher. Der dortigen Szene allerdings den Belanglosigkeitsstempel aufzudrücken, würde dem aufkochenden Franken-Phonk nicht gerecht werden. Immerhin haben sich auch in die letzten JUICE-Ausgaben immer wieder Künstler aus dem Süden geschlichen. Von Kuchenmann über Laca bishin zu Johnny Rakete und Bimbo Beutlin haben Größen des potenten Deutschrapuntergrunds ihre Wurzeln im Subkosmos in und um Nürnberg. Auch Cyroe ist einer der umtriebigen Locals.
 
Seine kanadischen Wurzeln ermöglichten ihm von klein auf regelmäßige Trips nach Toronto, also jener Stadt, die spätestens seit Drake, The Weeknd und Majid Jordan als globale HipHop-Kaderschmiede galt. In der »multikulturellsten Stadt der Welt«, wie Cyroe Toronto bezeichnet, sei es nahezu unmöglich, uninspiriert zu bleiben. »Vor allem verdanke ich die düstere Komponente in meiner Musik den langen, kalten Wintern in Kanada.« Um diesen dunklen Sound jedoch gemessen an den eigenen hohen Erwartungen umzusetzen, benötigte Cyroe einige Trial-and-Error-Versuche bei seinen Projekten. Resultierend aus dieser Schaffensphase ist die kommende EP »Kunst des Scheiterns« entstanden. Auf der EP treffen sich Remixe von zuvor veröffentlichten Songs aus Projekten wie »Off3nbarung« mit neuen Konzepten. Sie sollen den Wandel und die Entwicklung in Cyroes Schaffen entblößen. Einer der entstandenen Schritte in Richtung Weiterentwicklung ist »One Way«.

Für die erste Single der EP hat sich Cyroe mit einem unerwarteten Feature-Gast zusammengetan: Mickey Factz, New Yorker MC und XXL Freshman des Jahrgangs 2009. »Ich hatte Mickey schon kurz vor dem Erscheinen der `XXL Freshman Class‘ musikalisch auf dem Schirm und mochte direkt seinen lyrischen Ansatz.« Ein gemeinsamer Freund vom Big Apple stellte schließlich den Kontakt her, Cyroe schickte einige Beats gen New York und schließlich entstand ein gemeinsamer Song. »One Way« steht dabei stellvertretend für die neue Soundrichtung des Franken, bei der die Fusion von klassischen Soul-Samples aus den verstaubten Vinyl-Libraries mit zeitgemäßen Drums im Vordergrund stehen soll. »Ich glaube, die größte textliche Weiterentwicklung war für mich, alles zu reduzieren, schneller auf den Punkt zu kommen und zu komplexe Reimschemata beiseite zu legen.« Die JUICE Premiere »One Way« beschreibt schließlich den Weg in eine neue Richtung – weg vom Schattendasein in der Soundcloud-Peripherie unter Tausenden hinauf ins Spotlight. Die kehlige Stimme Cyroes lässt daran keinen Zweifel: Vielleicht ist es das Statement eines kommenden Deutschrap-Freshman. Und selbst wenn nicht, bleibt Cyroe immerhin der »Kunst des Scheiterns« treu.