Chakuza – Noah // Review

Chakuza Noah

(Four Music / Sony Music)

Til Schweiger hat’s verbockt. Frau, ­Tochter, Vater – die Dreifaltigkeit des Dramas ist supermegawütend, weil er Supermegascheiße gebaut hat. Er blickt mit seinem Schweiger-­Signature-Ausdruck ins Leere, während sich der Alpaka-Kaschmirpulli mit Regentropfen vollsaugt. Ein »Noah«-Song fadet ein. Im Kopf­kino zu Chakuzas drittem Album seit dem musikalischen Neustart des Linzers rattert ­immer wieder dieselbe Filmrolle ab. Die 13 Songs vermengen sich zum typischen Hintergrund­rauschen deutscher Dramedy. Eigentlich ist es ein Pluspunkt, wenn ein Album wie aus einem Guss klingt. Bei »Noah« aber verliert sich die Einheit in Beliebigkeit. So gut wie jede Line kann aus dem einen Song in einen anderen gewürfelt werden. Weltschmerz, Weltflucht, Ankommen, Abhauen, glücklich werden, glücklich sterben – all das verbreit auf »Noah« zu einem Klumpen. Der rote Faden dröselt sich in unzusammenhängende Satzfasern auf. Dabei kann Chakuza durchaus schreiben. Er kramt tief in seiner Wortschatzkiste und zaubert hier und da eine echte Schmunzelzeile aus der Snapback. Nur verliert er sich dann viel zu oft wieder in seiner Sprache; lässt sich wegtragen von Phrasen und abgedroschenen Sprichwörtern. Das Künstlerkollektiv In Vallis kurbelt dazu den Indie-Sound-Generator an: organisches Getrommel, klares Klavier, Delay-Gitarre, Hookbackings – Chakuza Sound anno 2016. Das ist alles gut gespielt, hübsch zu hören. Ein ­Süppchen aus Atmosphäre und Epik. Aber beim dritten Mal aufkochen laufen auch die besten Zutaten Gefahr, fad zu schmecken. Aus dem rummeligen Berlin hat sich Peter Pangerl ins bayerische Hinterland verzogen. Die Landluft statt dem Stadtsmog wirkt bei manchen Wunder. Ihm scheint es gut zu gehen. Und das ist schön – schleift seiner Musik aber Ecken ab. Die Kernthese zu seinem Album bringt Chakuza schließlich selbst: »Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. (…) Eher so Dings.« Am Ende lacht Til. Mit seinem Schweiger-Signature-Ausdruck. Und seine Frau. Und die Tochter. Und der Vater. Er hat’s mal wieder geradegebogen. Ein »Noah«-Song fadet ein.