Caramelo – SLIDEPHONEFUNK // Review

Caramelo-Slidephonefunk

 
Nach längerer Online-Recherche lässt sich über Caramelo genau so viel herausfinden: Er stammt aus Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh, ist ungefähr 23 Jahre alt und hat sein erstes Mixtape »Zwischen 2 Welten« samt seiner alten Facebook-Seite gelöscht. Stalkt man weiter, findet man auf inaktiven Youtube-Accounts ­vermeintliche Gründe dafür: die holprigen Anfänge des damals 20-jährigen Rappers. Das Internet vergisst nicht, ne? Auf seinem neuen Tape »SLIDEPHONEFUNK« beweist Caramelo das Gegenteil – und klingt dabei wie die westfälische Antwort auf SpaceGhostPurrp oder ein junger Mixtape-Ignaz mit Memphis-Einschlag. Was auch immer in den letzten Jahren passiert ist, jetzt passt alles zusammen: die Super-Lo-Fi-VHS-Ästhetik, Miami-Bass-Referenzen und runtergepitchte Soul-Loops, die G-Funk-Leads und melodiösen Hooks – »Hinterland« chopped und sowas von screwed. Besonders ahnbar, neben dem omnipräsenten Dada-Druffi Yung Hurn auf »Gutta Gutta«: der Gastpart des Heidelberger ALLESHABENSIE-Oberhauptes Skinny Vouyou Finsta – eine Art Frauenarzt 2.0 – auf dem heimlichen Hit des Tapes, »Cashflow & Bankrolls«. Die ländliche Einöde wird mit Purpur im Becher und Purem im Blunt erstickt: »Das Leben hat uns gesegnet, sind trotzdem suicidal«, rappt Caramelo auf »Chantré« über die Wohlstandsprobleme seiner Generation. Die trippy-düstere Atmosphäre von »SLIDEPHONEFUNK« entführt in einen paranoiden Amphetamin-Alptraum und bietet das ausweglose Gegenstück zum Heile-Welt-Hedonismus gleichaltriger Kollegen.