Bushido – Album Nr. 10

    Bushido arbeitet mit DJ Premier. Die Meldung, die alleine schon genug Sprengstoff für ein ganzes Haus in sich trägt, war allerdings nur der Zuckerguss auf dem Kuchen, den der erfolgreichste Spross der deutschen Hiphop-Szene selbiger als Friedensangebot überreichte. Neben dem Produzenten, der den New Yorker HipHop der 90er wie kaum jemand anderes geprägt hat, geben sich auf dem „Jenseits von Gut und Böse“ betitelten Werk mit Swizz Beatz und Araabmuzik außerdem zwei weitere Produzenten aus dem Big Apple die Ehre.

    Selbstverständlich sollte man das nicht so verstehen, dass Bushido mit der Unterstützung der Amerikaner die Herzen der HipHop-Szene zurückgewinnen möchte. Zweifellos möchte er all jenen, die ihn in den letzten Jahren in einem völlig eigenen Universum verortet hatten, auch etwas beweisen und das der ungeliebte Verkaufskönig seiner Zunft Spaß an der gekonnten Provokation hat, dürfte im Jahr 2011 auch kein Geheimnis mehr sein.

    Die größte Bedeutung dürfte die Zusammenarbeit mit den hoch dekorierten US-Produzenten trotzdem für die Privatperson Anis Ferchichi haben. Selbstverständlich war er in seiner Jugend ein mindestens ebenso großer Verehrer der Kunstform wie diejenigen Hörer, die für ihn in den letzten Jahren nur noch Hohn und Spott übrig hatten. Sein Herz hängt an der MPC 2000XL und Scratches sind seit dem originalen „Carlo, Cokxxx, Nutten“ ein wichtiges Element des ureigenen, dramatisch-melancholischen Bushido-Sounds.

    Dementsprechend ist es weniger verwunderlich als konsequent, dass er nun als Krönung seiner beeindruckenden Karriere mit DJ Premier an Songs in den legendären HeadQuarterz Studios schraubt. Genauso wenig überraschend ist bei genauerem Hinsehen übrigens auch, dasss die texanische Produzenten-Institution mit dem Gangster-Rapper aus Berlin zusammenarbeitet.


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    Ähnlich spannend finden wir die Tatsache, dass Sonny Black für „Jenseits von Gut und Böse“ auch mit Booba Studio und Booth geteilt hat. Natürlich wurden „Vom Bordstein bis zur Skyline“ und viele andere Releases aus dem Ersguterjunge-Lager auch durch die frühen Alben des Franzosen geprägt, der sich mittlerweile in M.I.Yayo ausführlich dem guten Leben widmet. Neben gut ausprägten Egos und beeindruckenden Verkaufszahlen teilen Bushido und B2oba auch das zwiespältige Verhältnis zu ihrer heimischen HipHop-Szene. Ausreichend Gesprächsthemen dürften bei dem Zusammentreffen der Beiden jedenfalls nicht das Problem gewesen sein.

    Die Unterschiede zwischen den Stars aus Paris & Berlin liegen eher in der künstlerischen Ausgestaltung ihres aktuellen Outputs. Während Bushido die Rückbesinnung auf seine Wurzeln lanciert, umarmte Booba mit seinem jüngst erschienenen Longplayer „Lunatic“ die erfolgreichen neuen Sound-Entwürfe der Südstaaten und gab bei jungen Nachwuchs-Produzenten Instrumentale nach diesem Vorbild in Auftrag.

    Weniger offensichtlich scheint auf den ersten Blick die Kollaboration mit dem Gatten von Alicia Keys – Swizz Beatz. Bushido auf einem Beat nach dem Vorbild von „Touch It“ oder „On to the Next One“? Kaum vorstellbar. Wir tippen eher auf eine dieser Hymnen, die Swizzy für die klassischen Longplayer von DMX um die Jahrtausendwende am laufenden Band aus der Hüfte gefeuert hat. Auch die Zusammenarbeit mit dem verrückten MPC-Genie Araabmuzik mag auf den ersten Blick überraschen. Wenn man sich jedoch dessen Produktionen für den Diplomat-Paten Cam’ron zu Gemüte führt, wird schnell klar, wie der Bursche aus Rhode Island auf der Wunschliste von Bushido landen konnte.

    Inhaltlich lässt sich bisher selbstverständlich noch nicht viel über die Qualität des Langspielers sagen, aber die tröpfchenweise veröffentlichten Infos bezüglich weiteren Produzenten (DJ Desue und M3 & Noyd) und Features (J-Luv) lassen große Hoffnungen durchaus zu. Wir erwarten jedenfalls aktuell kaum etwas ähnlich gespannt wie das zehnte Album des notorisch polarisierenden Ersguterjunge-Bosses.

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