Battle of the Ear: Fetty Wap – Fetty Wap

This CD cover image released by 300 Entertainment shows the self-titled album for Fetty Wap. (300 Entertainment via AP)

(Warner Music)
 
Als »Trap Queen« in diesem Sommer quasi aus dem Nichts zum internationalen HipHop-Sommerhit avancierte, raunte sich der Auskenner-Stammtisch aus den Kommentarfeldern schnell einig zu: Fetty Wap ist ein klassisches One-Hit-Wonder. Allein die Faustformel aus dem großzügigen Auto-Tune-Gebrauch, einer kitzelnd-burmmenden Synth-Klamotte und seinem kaugummiesken Sing-Sang-Flow mutete wie eine 2015er Eintagsfliege aus dem Lehrbuch an. Vier Singleauskopplungen und eine Chartgeschichtsschreibung später wissen wir: Irren ist menschlich. Getreu dem Motto »No New Friends« featuret Fetty ausschließlich seine Remy-Boyz-Homies und hat sich statt großspurigem Beatshopping bei Big Names auch auf der Producer-Seite für seine Hood entschieden. Das macht »Fetty Wap« zu einer astreinen 1738-Familienfeier, die zu keiner Sekunde von der bekannten Formel abweicht. Im Gegenteil: Der von Future und Young Thug perfektionierte Weirdo-Flow manövriert sich gewohnt geschmeidig durch Lean-getränkte Ride-Or-Die-Chick-Hymen wie »D.A.M.« oder sphärische Geldzählmaschinen-Chansons à la »Couple Bands«. Selbstbewusst veranstaltet Fetty auf den 20 Tracks keinen lyrischen Hochleistungssport, sondern ackert hingebungsvoll jene Hood Tales ab, die einen Jungen aus Patterson eben so beschäftigen: Knutschen, Knete, Kodein. Der unauffällige, aber geschmackvolle Trap/R&B-Entwurf seiner Mixtapes wurde hierfür weder weiter- noch zurückentwickelt – die 808 rollt, die Synthies glänzen, der Bass schnurrt. Das kann man zum Problem stilisieren. Oder aber die Ohrwurm-Offensive schlichtweg so deuten, wie sie gemeint ist: als perfekte Begleitmusik für die Road-To-The-Riches. Fetty ist eine Hit-Maschine und konzentriert sich auf seinem Debüt vor allem auf Hooklines, die schon das »Zoo Style«-Tape in hemmungslose Heavy Rotation trieb. Das bisher erfolgreichste Jahr in Fettys Laufbahn wurde in einem mitreißenden Album zusammengefasst und in loyaler Gang-Manier um seinen Freundeskreis arrangiert. Und der nimmt dich bekanntlich ja auch so wie du bist.
 
Text: Fionn Birr
 

 
Eines kann man Fetty Wap definitiv nicht vorwerfen: Dass er es nicht versucht hätte. Zuletzt verging kaum eine Woche ohne einen neuen Song, einen neuen Remix oder einen weiteren TV-Auftritt des 24-Jährigen. Er war einfach überall. Immer gut drauf, immer etwas verrückt, aber nicht zu verquer, als dass man den Strubbelkopf aus New Jersey nicht durchaus sympathisch finden könnte. Mit »Trap Queen« lancierte er im April letzten Jahres den Sommerhit für 2015, holte sich den Ritterschlag und Hypeboost in Form eines Drake-Features im Remix-Gewand für »My Way« ab, landete unter den XXL’schen Freshmen of the Year und machte mit »679« und »Again« dann auch soweit nicht viel falsch bis ziemlich viel richtig. Durchaus starke Singles, die Fetty Wap als eigenständigen Hybriden aus sanften Rap-Parts und genuscheltem Singsang auf stampfenden Plastikinstrumentalen mit ordentlich Hall und Ad-libs manifestierten. Doch leider liegt genau dort auch der Knackpunkt. Denn wo die Singles funktionierten, da ist die Aneinanderreihung selbiger auf Albumlänge noch lange keine spitzen Idee. Spätestens ab dem fünften Song fällt die eigene Stilistik in sich zusammen und lässt den Hörer die Songs nur noch als großen Brei wahrnehmen. Das mag man im Hause 300 Entertainment für kohärent halten, zeigt aber eigentlich nur, dass man nicht viel mehr zu bieten hat. In kürzester Zeit hat man die Welt des Fetty Wap erkundet und ist so eingelullt, dass man fast vergisst, dass es noch etwas anderes als ein vernuscheltes »Yeahhhhy Baby« und sich wiederholende Phrasen gibt. Würde die Platte in Gänze im Radio laufen, es wäre einem wahrscheinlich zu egal, als dass man sie ausmachen würde. Mit seinem Debüt hat Fetty Wap das Rap’sche Pendant zu Lana Del Reys Einschlafmusik auf »Honeymoon« geschaffen. Leider ist das nur nichts, worauf man stolz sein kann.
 
Text: Amadeus Thüner