Bambus – octo // Review

bambus-octo

(bambus.bandcamp.com)

Wenn der Plasmafernseher zu glänzen beginnt und sich geschniegelte Gestalten über den Bildschirm bewegen, dann rauschen 48 Bilder pro Sekunde an einem vorbei. Schnell, schnell! Der Zeitgeist ruft. Doch Bambus’ Musik hört da nicht zu. Sie wendet sich gegen den Strom der Schnelllebigkeit. Bambus’ Sound ist wie eine Super-Slow-Motion, die über ein Uralt-Röhrengerät läuft, flackernd, knirschend, in matten Farben. Bambus lebt den Zeitraffer, wenn er raucht, und alles wird langsam in seinen Augen. Das sagt er auf »Steve Irwin«, und das ist der rote Faden seiner »octo«-EP. Mit »octo« scheint er die Zeit anzuhalten, um dann apathisch zu erzählen: von brennenden Lunten, von denen, die er nicht mag und laienphilo­sophisch von drehenden Welten und untergehenden Sonnen. Doch Bambus dreht nicht mit, er dreht den Tip. Und selbst wenn man ihm nicht abnehmen sollte, dass er verstanden hat, wie man entspannter als alle anderen dahinexistiert, dann gaukeln einem zumindest die Instrumentale vor, dass es nun wirklich keinen Grund gibt, sich zu stressen. Die dümpeln im Hintergrund dahin, gespickt mit ruhigen Sample-Fetzen und verspulten Pads. Dann ist »octo« nach knapp 25 Minuten vorbei. Ein Aufwachen aus der Trance. Alle springen erschrocken aus dem Schaukelstuhl, weil Bambus sie so lange in seinen Bann ziehen konnte – und das, obwohl es doch bessere Rapper gibt als ihn und bessere Beats als die auf seiner EP. Doch die gibt es immer. »octo« ist für den Moment. »B.A.M bleibt« sitzen.