Anti-Rassismus Veranstaltung

    Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, als die Brothers Keepers mit dem Song »Adriano« eine Initiative gegen Fremdenhass und Rassismus öffentlichkeitswirksam in den Mainstream brachten. An der im Song thematisierten Realität hat sich leider trotzdem wenig verändert. Grund genug, um das Thema weiterhin im öffentlichen Diskurs zu behalten.

    Die ISD Gießen (Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze Menschen in Deutschland, Regionalgruppe Gießen) veranstaltet im September eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Konzert und will damit eine öffentliche Diskussion anstoßen. Die Veranstaltungen finden im Jugendzentrum Jokus und im Cafe Amelie in Gießen statt und haben ein Ziel: die kritische Infragestellung weithin akzeptierter Normen, Ordnungs- und Identitätskonstrukte im Bezug auf Teilhabe, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Mitbestimmung von Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland.

    Die Veranstaltungen:

    Fr. 16. Sept. 2011, 19:30 Uhr
    Film und Diskussion:
    Film: YES I AM! (Doku., BRD 2006, 104 min.).
    Gäste: Der Rapper, Dancehall-Artist und Protagonist des Films D-Flame und der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins.
    Veranstaltungsort: Kommunales Kino im Jugendzentrum Jokus, Ostanlage 25a, 35390 Gießen
    (Hessen).

    YES I AM! ist das Portrait über eine afrodeutsche Frau und zwei afrodeutsche Männer, die sich
    mit Rassismus und deutscher Identität auseinandersetzen. Schwarz und deutsch zu sein wird hier nicht klischeehaft als Gegensatz, sondern als ein „Sowohl/Als auch“-Konzept erörtert. Diese Perspektive transportiert das Selbstverständnis von einer modernen Identität in einem Einwanderungsland, das sich nicht vorrangig über Abstammung definiert und so der Lebenswirklichkeit von MigrantInnen und damit ihren in Deutschland geborenen Nachkommen und binationalen Familien Rechnung trägt. Die reale Akzeptanz dieses Identitätskonzeptes unter den sogenannten »Deutschstämmigen« ist noch immer gering. Die Politik zeigt sich – von einigen Ausnahmen abgesehen – weitestgehend desinteressiert an dieser Realität. Die gesellschaftliche Wahrnehmung und die mediale Aufmerksamkeit greift nach wie vor gerne alle möglichen Klischees auf, die die Alltagserfahrungen auf unangenehme Art und oft verstörende Weise, nicht nur von MigrantInnen, sondern auch von Schwarzen Deutschen prägen. Der Film macht auf diese Problematik aufmerksam und in der anschließenden Diskussion sollen die BesucherInnen Denkanstöße für eine kritische Hinterfragung eigener Zugehörigkeit und Identität erhalten. Als Gast für die anschließende Diskussion wird D-Flame anwesend sein, welcher auch im Film zu Wort kommt. Zudem wird der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins zugegen sein, der zu Schwarzer Geschichte und Kultur forscht. Seine sozialwissenschaftliche Perspektive auf die Verknüpfung von individuellbiografischen und gesellschaftlich- politischen Zugehörigkeitskonstrukten bildet in diesem Rahmen eine sinnvolle Ergänzung für eine differenziert geführte Diskussion.

    Do. 22. Sept. 2011, 19:30 Uhr
    Lesung und Diskussion:
    Buch: DEUTSCHLAND SCHWARZ WEISS – Der alltägliche Rassismus.
    Gast: Die Autorin Noah Sow
    Veranstaltungsort: Cafe Amelie, Walltorstrasse 17, 35390 Gießen (Hessen).
    Die Journalistin, Rundfunkmoderatorin, Leiterin der Media-Watch Organisation »der Braune Mob«, Künstlerin und Autorin setzt sich dort seit vielen Jahren für eine differenziertere, nicht von Rassismen und kolonialen Denkstrukturen durchsetzte mediale Berichterstattung ein. Noah Sow wird aus ihrem 2008 bei Bertelsmann erschienenen und mittlerweile in der zweiten Auflage erhältlichen Buch »Deutschland Schwarz Weiss – Der alltägliche Rassismus in Deutschland« lesen und im Anschluss mit dem Publikum diskutieren.

    Fr. 30. Sept. 2011, 21:00 Uhr
    Konzert + Spoken Word-Performance:
    Artists: BedoBlack, Osbay, Dodds und Les Réfugiés. Moderation + MC: N.N.

    Veranstaltungsort: Jugendzentrum Jokus, Ostanlage 25a, 35390 Gießen (Hessen).
    Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe findet ein Konzert mit regionalen HipHop- und Spoken Word-Künstlern statt. Das Genre HipHop wurde ganz gezielt ausgewählt, da es in der Tradition der politischen Artikulation, einer von der Mehrheitsgesellschaft als »sprachlos« wahrgenommenen Gemeinschaft steht. In diesem Sinn ist HipHop als Teil einer politisch-kulturellen Bewegung zu sehen. Diesem Aspekt des Genres soll an diesen Abend, der ihm gebührende Raum eingeräumt werden.