50 Weed-Hymnen

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31 Nas
»Smokin’« (2001)

»Stillmatic«, ein Kabinettstück der Promenaden­lyrik. Neben der Narkosespritze für den Jiggaman ist darauf auch dieses wunderbare Loblied auf die Treue und Rechtschaffenheit unter Straßentickern und Messerschleifern zu finden. Es beschreibt quasi die Aufnahme in den elitären Kreis der Hehler und Kanaillen. Und wie feiert man die Aufnahme? Selbstverständlich mit einem dicken Spliff. (nn)

 
32 Memphis Bleek
»I Get High« (2001)

Gleichgewichtsgymnastik mitten auf der Straße, Bullenfinger in jeder Hosentasche, Beschlagnahme der Fahrerlaubnis, gerichtsmedizinisches Fixbesteck in die Armbeuge, dann Dispo leerräumen, ein Jahr lang Pipi spenden und sich für blöd verkaufen lassen – bekifft Autofahren kann sauber ins Auge gehen. Memphis Bleek ist das egal: »I love gettin’ high while I drive.« Super Song zum Lowriden – auch in der Straßenbahn. (ml)

33 Devin The Dude
»Doobie Ashtray« (2002)

Wenn der verstiegene Vergleich ­erlaubt sei und Cypress Hill so etwas wie das Dreigestirn der Weed-Tunes sind, dann ist Devin aus Houston ­mindestens das Funkenmariechen. Sein Klagegesang mit Augenzwinkern auf Premo-Beat ist episch. (pl)

 
34 50 Cent
»High All The Time« (2002)

Dabei soll Fiddy angeblich gar nicht kiffen… (om)

 
35 Styles P
»Good Times (I Get High)« (2002)

Weed-Rap war selten so fokussiert wie auf diesem Track. SP the Ghost auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft rappt über Swizz Beatz auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. (ao)

 
36 Madvillain
»America’s Most Blunted« (2004)

Lord Quas und The Illest Villain brauchen die grüne Brille, um klar sehen zu können. Es hilft ihnen mit ihren Reimen, Flows und der Beatbox. Außerdem ist es doch gar nicht so verdammt schädlich, so die jüngsten Forschungsergebnisse. (ao)

 
37 Ludacris
»Blueberry Yum Yum« (2004)

Scheiß auf subtil, lass’ einen bauen. Spliff in Zuckerrübengröße und eigene Indoor-Hanfplantage im Video, »Let’s Get High«-Imperativ in der Hook, Couch-Bounce und Blubber-Melodei im Beat – und ein Ludacris in Highstform: Wenn man so flowen kann, kann man auch einfach mal so richtigen Cheech & Chong-Blödsinn rappen, Silben über einen ganzen Takt ziehen und verpeilte »Lalala«-Adlibs trällern. (ml)

 
38 Three 6 Mafia
»Stay Fly« (2005)

Aus meiner Zeit als Gaststudent der Howard University in Washington D.C. blieb mir diese Geschichte im Gedächtnis: Im Jahr zuvor trat die betüdelte Gang während der Homecoming-Zeremonie auf dem Campus auf und performte die unzensierte Version dieses Klassikers. Ein Kollege schrieb während des Gigs die letzte Klausur des Semesters und hörte die ganze Zeit die Hook durch die ­geöffneten Fenster des Seminarraumes. Dabei sollte er sich auf differenzielle Psychologie konzentrieren. »Shit like that only happens at Howard.« (nn)

39 Marsimoto
»Der Nazi und das Gras« (2006)

Ein bisschen Gras, und schon wird aus einem Nazi-Arschloch ein angenehmer Mitmensch und Reggae-Fan. Ob das auch im real existierenden Faschismus so funktioniert, bleibt zu überprüfen – in der verrauchten Parallelwelt Green Berlin hat es jedenfalls geklappt. Weed Heil! Oder so… (ml)

 
40 Nas
»Blunt Ashes« (2006)

Der ehemalige NBA-Star Chris Webber, der diesen Song kurioserweise produziert hat, ist ein begeisterter Sammler von Dokumenten afroamerikanischer Geschichte. Dementsprechend liegt es nahe, dass C-Webbs Leidenschaft ein Denkanstoß gewesen ist für den Text zu diesem Nas-Track, bei dem QB’s Finest unter THC-Einfluss über seine kreativen Vorfahren sinniert. (ao)

Illustrationen: Anna-Lina Balke