Nachruf: R.I.P. Baatin of Slum Village (1974-2009)

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von Alex Engelen, NY

Vergangenen Samstag verstarb Detroit-Rapper und Slum Village-Mitglied Titus „Baatin” Glover im Alter von 35 Jahren. Genaue Umstande über seinen Tod sind noch nicht bekannt, für die HipHop-Community bedeutet sein Ableben jedoch nicht nur den Verlust eines talentierten, unterschätzten und außergewöhnlichen MCs, sondern auch die traurige Gewissheit, dass zwei Drittel der Original-Besetzung von Slum Village nicht mehr am Leben sind. Im Februar 2006 verstarb James „J Dilla“ Yancey an den Folgen seiner Lupus-Erkrankung. Slum Village haben weit über ihren kommerziellen Erfolg hinaus Rap im Allgemeinen und Rap aus Detroit im Speziellen beeinflusst. Dillas Beats gaben und geben weiterhin Blaupausen für Produzenten mit Traditionsbewusstsein und Genre-übergreifendem Weitblick zugleich und T3, Baatin und Elzhi repräsentier(t)en das Profil des modernen Lyricists einer Post-Rakim/Post-Nas-Generation. Seit den Spätneunzigern veränderte sich immer wieder die Besetzung Slum Villages – Baatin verließ die Gruppe wegen gesundheitlicher Probleme im Jahr 2002 und wurde bald darauf von Elzhi ersetzt, aber in den vergangenen Monaten tauchten Berichte über ein Comeback mitsamt Baatin auf. Mitte September soll das neue Album „Villa Manifesto“ erscheinen. In diversen Medien erklärten Slum Village, das Baatin seine Schizophrenie und andere gesundheitliche Probleme in den Griff bekommen hätte, auf der amerikanischen Rock The Bells-Tour stand man erst kürzlich gemeinsam auf der Bühne. Umso überraschender ist jetzt sein plötzliches Ableben.

Die traurige Nachricht über den Tod Baatins geht einher mit immer neuen Mitteilungen über den stetigen Niedergang Detroits, der Heimatstadt Slum Villages. Trotz der darbenden Wirtschaftslage der einstigen Motown-Metropole und alarmierenden Kriminalitätsraten reißt der Strom der qualitativen Rap-Erzeugnisse aus Detroit jedoch nicht ab. HipHop-Autor und Detroit-Experte Nelson George sprach kürzlich im JUICE-Interview über den musikalischen Einfluss der Motorstadt und teilte seine Meinung über die traurige Wahrheit einer künstlerischen Realität, die in traurigen Zeiten wie diesen zumindest geringen Trost spendet.

Wieso hat Detroit nach wie vor einen so großen musikalischen Einfluss?
Nelson George: Seit dem Ende von Motown hat Detroit Madonna, Kid Rock, Eminem und Techno hervorgebracht. The White Stripes nicht zu vergessen. Das ist verdammt einflussreich. Detroit ist eben eine klassische Arbeiterstadt in einer von der Industrie geprägten Gegend. Es gibt dort tausende Jugendliche, die ihre Zeit in dunklen Kellern mit Musikinstrumenten totschlagen. Außerdem hat die Stadt natürlich eine lange Tradition musikalischer Innovationen. In Detroit ist schon immer viel mehr abgegangen als nur Motown. Ich kann jetzt nicht genau sagen, was davon übrig geblieben ist, weil die Stadt gerade so schwere Zeiten durchmacht, aber immerhin kommen zwei der kommerziell erfolgreichsten Künstler der letzten fünf Jahre – Kid Rock und Eminem – aus Detroit. Beide leben auch immer noch dort. Gut, ich weiß, dass Jack White gerade weggezogen ist, aber auch Jack White ist auf jeden Fall ein Produkt der Club-Szene Detroits. Detroit hat es einfach. Manche Orte haben es einfach – Brooklyn hat es, New Orleans hat es und Detroit hat es.

Bei allen spielt auch ein gewisses destruktives Element mit?
Natürlich, dieser Konflikt ist unvermeidlich. Kunst entsteht aus Widerspruch. Glückliche Menschen machen keine gute Kunst. Kunst wird nicht von selbstzufriedenen Arschlöchern gemacht. Selbstzufriedenheit kommt der Kunst nicht zugute. Konflikt und Widerspruch sind gut. Schmerzen und Qualen sind gut. Künstler ohne Schmerzen und Qualen sind langweilig.

Rest in Power Titus „Baatin” Glover.

3 Kommentare zu “Nachruf: R.I.P. Baatin of Slum Village (1974-2009)”

  • Stizzy

    rip baatin, rip dilla... und dennoch: s villa FÜR IMMER!!!

    08-03-09 » 17:59 »

  • subcess.de » R.I.P. Baatin

    [...] (via)   Tags: Baatin, R.I.P., Slum Village; Share: Share on Facebook Twittern? Tweet this     [...]

    08-03-09 » 21:29 »

  • Twitted by weknowrap

    [...] This post was Twitted by weknowrap [...]

    08-04-09 » 09:16 »

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