Absztrakkt - Chambermukke (Interview)

Tief im Herzen des Sauerlands liegt Lüdenscheid: Wälder, Berge, dazu etwas Beton und graues, nasskaltes Wetter. Kaum vorstellbar, dass aus dieser tristen Stadt im Westen der Republik Musik wie die von Absztrakkt kommt. 2001 trat er das erste Mal mit der „Unscheinba aber Da“-Maxi über Put Da Needle To Da Records in Erscheinung. Knapp vier Jahre später sorgte das Kollabo-Album „Dein Zeichen“ mit Produzentenurgestein Roey Marquis II. für Aufregung in Rapdeutschlands Untergrund: Ausgefeilte Produktionen trafen auf einen punktgenauen Rapflow und thematische Hemisphären, in die sich bis dato noch keine deutscher Rapper gewagt hatte. Eine Zeitlang wurde es still um den Ausnahmerapper aus dem Sauerland. Doch mit „Das Buch der drei Ringe“ ist dieser Tage das neue Album von Absztrakkt erschienen.
Entstanden ist „Das Buch der drei Ringe“ aus der geplatzten Vision der zuvor geplanten Supergroup Monks Of The Unbroken Flower, bestehend aus Absztrakkt, Profan78, Lunafrow und Roey Marquis. „Das Problem war einfach, dass wir die verschiedenen Leute unter einen Hut bringen mussten. Leute, die für sich sehr eigen und auch über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Das hat einfach nicht funktioniert. Aber es gibt da kein böses Blut. Ich hab dann mit Calo entschieden, dass wir das Absztrakkt-Album daraus machen, damit die Arbeit, die ich da hineingesteckt habe, nicht umsonst ist“, so der Lüdenscheider über die Entstehungsgeschichte seines zweiten Albums.
Aus vier Leuten wurden zwei, der Name ist geblieben. Das Leitmotiv des Mönches der ungebrochenen Blume findet Absztrakkt dabei mehr als treffend gewählt: „Ich war das schon immer, hatte nur keine Worte dafür. Als Calo mit dieser Idee um die Ecke kam, war das genau mein Gefühlszustand.“ Die Blume als Symbol für die Einfachheit des Seins. Sie ist den Jahreszeiten unterworfen, aber versucht dennoch ständig zu wachsen. „Nach der Fertigstellung des Albums genießt sie natürlich gerade den Frühling“, lacht Absztrakkt.
Als 2005 „Dein Zeichen“ herauskam, fühlte sich viele HipHop-Fans mit den angesprochenen Themen überfordert: Systemtheoretisches Denken, esoterische Lebensphilosophien, Auseinandersetzungen mit dem Determinismus oder die Wiedergeburt waren bis dato eher selten beackerte Topoi im deutschen Rap. „Ich habe mich schon in meiner Jugend mit dem Buddhismus beschäftigt“, so der Mönch der ungebrochenen Blume. „Als ich in einigen Büchern geblättert habe, stand da schwarz auf weiß, was ich im Kopf hatte. Ich habe schnell gemerkt, dass das ein Bereich ist, wo ich hingehöre.“ Ein praktizierender Buddhist ist Absztrakkt aber nicht. „Ich bin Mensch. Und wenn ich Weisheiten aus anderen Religionen nützlich finde, baue ich mir das einfach zusätzlich ein. Es kommen selbst 40- oder 50-jährige zu mir und sagen, dass sie mit dem, was ich in meiner Musik erzähle, etwas anfangen können. Das sind Leute, die mit Rap gar nichts zu tun haben“, freut sich der Sauerländer. „Ich möchte Musik machen für jeden, dem sie etwas gibt. Und Rap ist da eben mein Mittel zum Zweck. Gut möglich, dass ich das irgendwann auf eine andere Art und Weise machen werde. Ich bin zwar nicht sonderlich musikalisch, aber ich kann gut mit Sprache umgehen.“
Auch auf „Das Buch der drei Ringe“ schlägt Claudio eine ähnliche Richtung wie auf seinem Erstling ein. Statt Musik für den Club oder Konzerte zu machen, möchte Absztrakkt seine Songs mit Verstand gehört wissen. „Ich mache Musik, damit man sie sich zuhause in Ruhe anhören kann. Chambermukke eben.“ Die Interpretation der Stücke soll dabei ganz dem Hörer überlassen werden. „Ich will mich gar nicht erklären. Ich will ein Künstler sein, der seine Kunst anbietet, und die Leute sollen sich selbst etwas daraus ziehen. Auch wenn die Leute einen Satz anders aufnehmen, als ich ihn gemeint habe, kann er ihnen in ihrem Leben trotzdem einen positiven Effekt bringen.“ Liest man die Forumeinträge bestimmter Portale, so wird deutlich, dass Absztrakkt durchaus einen großen Einfluss auf die Denkstrukturen der Menschen hat. Es ist vermutlich das „unausgesprochene Wort“, dass in den Bildern entsteht, die der Lüdenscheider benutzt und die in den Köpfen der Hörer soviel auslösen.
Nichtsdestotrotz sind die systemkritischen Töne auf dem Album nicht zu überhören. „Ich beschreibe nur, was ich sehe. Und viele Sachen in Deutschland halten mich eben in einem geistigen Knast. Wie hier gelebt wird, ist nicht die Art und Weise, wie ich gerne leben möchte“, erklärt Absztrakkt. Ein einfacher Mönch also, der als Eremit seinen Frieden finden würde? Darüber nachgedacht, Deutschland irgendwann den Rücken zu kehren, hat der gelernte Gestalter schon: „Eigentlich sind die Leute ja überall auf der Welt gleich. Aber in meinem Bekanntenkreis denkt man schon darüber nach, einfach alles hinter sich zu lassen und irgendwohin zu ziehen, wo nicht so ein Druck auf einem lastet. Ich bin ein Fan von so Flip-Flop-Ländern. Doch sollte es dazu kommen, wird es keine Flucht sein.“
Einen Ausgleich zu dem Druck hierzulande findet Absztrakkt im Sport. Er ist seit mehreren Jahren Kickboxer. „Das ist ein guter Ausgleich zwischen Geist und Körper. Ich mache das ja nicht, um anderen aufs Maul zu hauen. Ganz im Gegenteil. Der Kampfsport hilft, Knoten in dir selbst zu lösen, sich auf etwas zu fokussieren und sich auch geistig in positive Richtungen zu entwickeln“, erklärt der 29-jährige. „Der Mönch, den ich verkörpere, ist ja auch nur ein Bildnis. Ich halte mich selbst nicht mit Regeln oder Dogmen auf und befasse mich auch mit Sachen, die nicht wirklich dem Wesen eines Mönches entsprechen, aber trotzdem ist dieses Mönchsein definitiv mehr als ein Image. In meinen Lebensbereichen hab ich für mich einen gesunden Weg gefunden.“ Einen Weg, der den Menschen hinter dem Künstlernamen Absztrakkt und das Dasein als Rapper miteinander verbindet. „Der Mensch Claudio ist ein ruhiger, chilliger Typ, der Künstler Absztrakkt dagegen schneller mal auf 180. Natürlich gebe ich mir Mühe, aber kann meinen eigenen Ausgleich auch nicht immer halten. Ich bin eben auch nur ein Mensch.“
Text: Jan Wehn
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Update mit Verlosung: Labcologne - Fatality (LP)

Heute erscheint das hervorragende Debütalbum der Kölner Formation Labcologne. Am 07.05. findet dazu passend eine von JUICE präsentierte Release-Party im Kölner MTC statt, bei der als Gäste u.a. Revilo und Olli Banjo sowie Suff Daddy und Hubert Daviz an den Stahlrädern begrüßt werden. Für die Release-Party verlost JUICE nun exklusiv 2 x 2 Freikarten plus jeweils das Album für jeden Gewinner und ein Backstage-Treffen mit Olli "Rambo" Banjo. Wer mitmachen will, beantwortet folgende Frage:
Von welchem Interpreten stammt der Refrain "Too live for TV, too real for radio" von dem gleichnamigen Song des Labcologne-Albums "FATALITY"?
Antworten bitte bis zum 31.04. an: Labcologne@web.de
Dam-Funk x Stüssy (Mix)

Der Stones Throw-Botschafter des Electrofunk hat einen großartigen DJ-Mix für Stüssy hergestellt, und zwar ausschließlich mit originalen Vinyls aus seiner umfangreichen Sammlung. Unbedingt checken.
Zulu Beats bei der Hochzeit (YouTube-Fundstück)
HipHop wird in diesem Jahr 35 Jahre alt. Ein Alter, in dem man durchaus heiraten kann oder eventuell sogar muss, wenn man nicht wie Turbo in "Breakin'" einen Tanz mit dem Besen hinlegen will.
Wenn man allerdings sein B-Girl fürs Leben gefunden hat und auf der Hochzeitsfeier einerseits Mutti glücklich machen muss, aber auch nicht vor seinen Homeboys dastehen will, als wären man ein steifer Gast von Mörtel Lugner beim Wiener Opernball, dann muss man sich was einfallen lassen. Man ist auf der Suche nach dem perfekten Beat. Diesem Pärchen aus Oakland ist das ohne Zweifel gelungen: