102 Boyz & Based030 – 102030 // Review

(Soundcloud.com/102boyz)

Zwei Tapes in einem Monat nennt man wohl eine stabile Schlagzahl. »102030« ist nun eine Kollabo mit based030 (Hugo Nameless, Kulturerbe Achim und Fruchtmax). Der Sound liegt näher beim letzten 102-Release als bei »Die Jagd nach dem Hak« oder der »Geschäftsmann EP«. Das ist gut. Wenn man das als Entwicklung der Berliner verstehen darf, werden sie damit noch unabhängiger vom Twitter-Trap-Kosmos. Die Hook des ersten Tracks könnte auch der Titel des Tapes sein: »Turnup bis zur Endstufe«. Klar, nicht alles geht voll auf die Zwölf, aber es ist weit entfernt vom melodischen Singsang, bei dem sich die Hits beider Trapströmungen inzwischen eingependelt haben. »102030« schafft es, nicht irgendwo in der Mitte zu landen, sondern außerhalb. Solche Power und Aggressivität findet sich im Deutsch-Trap selten. Es fühlt sich ein bisschen an wie die »Aggro Ansage 2«: Man will jetzt nicht direkt jedem auf die Schnauze hauen, aber die Vorstellung lässt einen schon schmunzeln und vermittelt ein starkes Gefühl. Und das ist auch das größte Pro­blem: Wer nicht völlig abgestumpft ist, Rap alles verzeiht (wegen »Kunst«) oder ein sehr seltsames Frauenbild hat, stößt sich an der offen zur Schau gestellten Frauenverachtung, die weit über Rap-Standard-Macho-Attitüden hinausgeht. Das ist unnötig, denn der gesamte Rest schreit »top class material«. Zum Vortrinken mit Jägi und Hansa würde »102030« sich auch so hervorragend eignen, und für einen gemütlichen Abend ohnehin nicht. Prognose: Da ­kommt Großes.

Text: Tristan Hartmut

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